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Warum Reformer-Anhänger konservativ wählen

Von Tooba Moshiri, Iran (TM)


Weniger als ein Jahr bleibt bis zur Präsidentenwahl im Iran und Hassan Rohanis Amtszeit neigt sich dem Ende. Präsident Hassan Rohani hat die Wahlen bisher zweimal gewonnen, unterstützt von den Reformierten und den meisten Menschen blieb er dann 8 Jahre im Präsidentenamt. Präsident Rohani übernahm nach Ahmadinejad die Macht, er wurde mehr als Diplomat mit mildem Politikstil erwartet, diese Erwartung konnte er jedoch nicht erfüllen, vielmehr wurde er sogar für seine Aktionen von gerade jenen Menschen kritisiert, die ihn seinerzeit gewählt hatten.Rohani lag bei den Stimmen in 23 Provinzen vorn und verlor lediglich 8 Provinzen an seinen Herausforderer Seyyed Ibrahim Ra’isi von der konservativen Partei. Nach offziellen Statistiken der Präsidentenwahl 2017, hat Rohani die Provinz Ardabil mit 412,735 Stimmen gegen Ibrahim Ra'si mit 261,056 Stimmen gewonnen, was einem Anteil von 58% entspricht, wohingegen auf Ra'si 37% der Stimmen entfielen.


Leben im Iran Bild: TM

Diesmal jedoch scheint es, als ob die Stimmen der Wähler in Ardabil, wie in allen Provinzen, eher auf die Konservativen entfielen würden. Rohani hinterging das Vertrauen seiner Unterstützer, nun ist der Zeitpunkt der Oppssitionsfraktion, die Zügel in die Hand zu nehmen.Karim Shahsavan ist ein alter Teppichhersteller mit blassem Haar. Er lebt mit seiner Frau und Tochter in ihrem kleinen Zuhause etwa 30 km südlich von Ardabil. Er wählte Rohani, weil seine Tochter ihn davon überzeugte zu glauben, er sei ein Mann mit Diplomatie und in seiner Verantwortung könnten sie sich selbst ein besseres Leben gestalten. Aber nun kann er sich an keine anderen Präsidenten erinnern, unter denen die Dinge derart schlecht liefen.


Er stimmte zweimal für Ahmadinejad und hoffte, dass er nicht nur ein Präsident für die Reichen sei, sondern ein Präsident der Menschen:“Alles, was Rohani wollte, war, sich einen Namen zu machen, als jemand, der die Sanktionen des Iran beseitigen würde. Aber alles was er machte, waren Möglichkeiten, den Ertrag der Reichen zu steigern, während alle anderen unter den strengen Sanktionen zu leiden hatten. In früheren Tagen wurden Diebstähle in der Nacht begangen und die Diebe am Tag bestraft und heutztage raubt jeder am hellichten Tage und verschwindet mit der Beute ins Ausland. Alle korrupten Menschen sind in Rohanis Team und machen schreckliche Dinge, weil er es möglich macht. Ich bin sicher, dass exakt das Gegenteil davon gut für uns wäre und deshalb werde ich nächstes Jahr die Konservativen wählen.”


Er denkt, der Grund dafür, dass er momentan in einer wirtschaftlich schwierigen Situation ist, auch in einem kleinem Dorf, seien die von den USA auferlegten Sanktionen gegen den Iran:“Nicht nur die Sanktionen sind nicht aufgehoben worden, sondern eher verschlimmert worden unter der Zeit von Rohani. Man nehme den Preis der Kartoffeln, er ist sechs mal teurer seit Beginn der Amtszeit von Rohani. Ich habe Teppiche angefertigt, deren Preise steigen mussten, jeder musste die Preise erhöhen und weiterarbeiten, denn wenn man aufhört, wird man merken, dass etwas im Leben fehlt. Die Menschen müssen das Geld untereinander verdienen, weil die Regierung nicht imstande ist, irgendetwas zu kontrollieren. So kann es nicht weitergehen. Es wird sich hoffentlich bald ändern, so Gott will.”


Wahlwerbung und ein einzelner Wähler. Bild: TM

Am 01. Januar 2020 wurde angekündigt, dass Hassan Rohani nach Ardabil reiste und das auf der Agenda der Regierung mehrere wirtschaftliche sowie infrastrukturelle Projekte vor Ort stehen. Weiterhin wurde bekannt, dass 93 Entwicklungsprojekte mit einem Kredit von 20 Tausend und 653 Milliarden Rial sowie 50 wirtschaftliche Projekte mit Jobs für 4395 Menschen geschaffen würden. Heydar Nikhbakht ist ein Business Mann in schwarzem Anzug. Er ist 40 und sehr höflich, er spricht langsam. Er arbeitet zusammen mit lokalen Imkern am Fuße des Sabalan Berges in Ardabil. Er sammelt deren Qualitätshonig und verkauft ihn in verschieden großen Rationen in verschiedene Länder, meistens arabische Länder oder solche in der Golfregion. Nachdem Trump wiederholt neue Sanktionen gegen den Iran verhängt hatte, wurde es so schwer für ihn, zu arbeiten, dass er Abnehmer in anderen Ländern finden musste.


Er macht die Sanktionen gegen Banken für seine Defizite verantwortlich und daher die Regierung Rohanis dafür verantwortlich:“Das iranische Atomabkommen ist gescheitert, weil sich nichts geändert hat. Die erreichte Vereinbarung, das Versprechen eines besseres Lebens unter Führung einer demokratischen Regierung wurde mit den Sanktionen beseitigt. Aber meiner Meinung nach haben wir nicht genug Disziplin gezeigt und damit auch unseren Stolz verloren. Ahmadinejad hat nicht alles besser gemacht, aber zumindest hat er sich nicht vor unseren Feinden verbeugt. Rohani hat in den politischen Kriegen verloren und eine schlechte Geschichte in den Geschichtsbüchern geschrieben.”


Nikhbakht ist sich noch nicht sicher, ob er an den nächsten Wahlen teilnehmen will oder nicht. Aber er hat keine Zweifel daran, nicht für einen Reformisten oder jemanden aus Rohanis Team zu votieren:Deren Zeit ist vorbei. Es geht nicht nur um die Wirtschaft und meinen Job, Rohani ist bei der Bevölkerung nicht beliebt, weil er nicht für sie da ist, wenn er gebraucht wird. Seine Aussagen kommen immer zu spät, bei Ereignissen, die im Land geschehen. Er ist einfach ein schlechter Manager. Seine Zeit ist nun am Ende, ich wünschte, wir könnten genau jetzt einen neuen Präsidenten wählen. Vielleicht würde ein neuer alles und jeden erschrecken und manches würde passieren. Nur Gott weiß das.”


Nun scheint es, dass die Präsidentenwahl von einem Boykott vieler Menschen bedroht ist, wie es bei den Parlamentswahlen bereits war, und es ist sehr wahrscheinlich, dass diesmal die Konservativen sie ergattern. Es ist noch nicht klar, welche Kandidaten die Konservativen für die Präsidentschaft aufstellen, aber viele Experten und Spezialisten glauben, dass die Reformisten und Moderaten den Platz der Macht abgeben werden.