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Verwerfungen auf dem Reismarkt im Iran

Von Tooba Moshiri, Iran


Wegen der harten US-Sanktionen gegen den Iran, der daraus resultierenden Handelshemnisse für iranische Unternehmen und der Schwierigkeiten, Geld zu wechseln, da die Banken nicht mit iranischen Unternehmen kooperieren hat die iranische Regierung seit langer Zeit ein “Öl gegen Lebensmittel”-Programm aufgelegt. Der Iran verkauft sein Öl an Länder wie China, Pakistan oder Venezuela. Im Gegenzug erhält der Iran für Öl oder petrochemische Produkte Lebensmittel, Früchte und andere Güter aus diesen Ländern.Dies schadet oft den iranischen Landwirten. Der Preis für Ausrüstung und Werkzeuge für die Landwirtschaft steigt jedes Jahr und trotzdem gibt es keinen Markt für ihre Erzeugnisse und oftmals müssen sie ihre qualitativ hochwertigen Produkte unter den Marktpreisen verkaufen.


Da ausländische Produkte, die meist billiger und schlechter sind, immer mehr Popularität bei den Iranern finden, werden die einheimischen Produkte immer weniger gekauft und in den Läden gelassen. Das führt zu immer mehr Pleiten unter den Landwirten und zu einem Verkauf von landwirtschaftlich genutzten Flächen an andere, die diese Flächen für illegale Bauarbeiten nutzen.


Vefügbar, aber kaum leistbar: Lebensmittel im Iran. Bild: TM

Rasoul Farokhi, ein Abgeordneter in Gilan, beklagte den Ausverkauf von guten Ländereien in Gilan und Mazandaran wegen des strategischen Imports von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten aus anderen Ländern: “Tee und Reis sind die beiden Hauptprodukte in den Provinzen Gilan und Mazandaran und der Import von ausländischen Produkten in der Erntezeit ist ein Betrug für uns alle. Viele Landwirte müssen wegen dieser Importe niedrigere Preise für ihre eigenen Produkte in Kauf nehmen und ihr Land für geringe Preise verkaufen.”


Mahdavi Kia, Sekretär der Reisimporteure, erklärt im Hinblick auf die Preise des pakistanischen und indischen Reises und sagt, dass der pakistanische Reis an den Wechselkursen hängt. Der Preis in einigen Läden kann sinken, wenn die Händler bessere Wechselkures bekommen. In der Zwischenzeit kostet der pakistanische Reis 25.000 Rial/Kilo für Verbraucher und der indische Reis zwischen 180.000 und 200.000 Rial/Kilo.Starkregen in Gilan und Mazandaran und der Bann auf Importreis mit verbilligten Regierungswechselkursen haben zu einem Mangel an Reis und steigenden Preisen geführt. Dazu koimmen noch steigende Preise für Geräte, Werkzeuge und Ausrüstung der Farmen, die ebenfalls die Kosten für die iranischen Landwirte erhöhen. Der Großhandelspreis für ein Kilo persischen Reises in hoher Qualität liegt in der maßgebenden Stadt Someehsara (wichtiger Ort für den Reisanbau) bei rrund 250.000 Rial. Bevor der Reis jedoch den Endverbraucher erreicht steigt der Preis um weitere 100.000 Rial.


Für Iraner zu teuer: Heimischer Reis. Bild: TM

Für eine iranische Familie, die rund 10 Kilogramm Reis pro Monat verbraucht, sind das Kosten von rund vier Millionen Rial.Früher war der hochwertige persische Reis weit teurer als der indische und pakistanische Reis. Aber wegen der Probleme auf dem Wechselkursmarkt, dem steigenden Preis des US-Dollars und dem Mangel an Devisen für Importe ist der Unterschied zwischen dem pakistanischen und persischen Reis auf dem Markt nur noch gering.Natürlich ist der Preis des ausländischen Reises in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen gestiegen, unter anderem wegen der Corona-Krise, den fehlenden Devisen/gesunkenen Wechselkursen für Importe.


Daher wird inländischer Reis wahrscheinlich mehr verkauft werden. Wegen der gestiegenen Preise für ausländischen Reis wird auch der Preis für persischen Reis steigen. Die Preise für ausländischen und persischen Reis werden sich angleichen, in einigen Fällen wird der höhere Preis für den inländischen Reis positive Effekte auf den einheimischen Markt haben.Nasser Bagheri, ein Reishändler für den Norden des Landes sagt, dass ein weiteres großes Problem des Marktes verbotenes Gemische ist: Zwischenhändler und Verkäufer importieren billigen und qualitativ schlechten ausländischen Reis und verkaufen diesen in iranisch-gelabelten Säcken. Dies diskreditiert nicht nur den heimischen Reis, sondern auch den Markt, da sie den Reis zu niedrigeren Preisen verkaufen und den Markt ruinieren.Es gibt viele Menschen, die den Import von Reis und anderen Lebensmitteln befürworten und nicht nur kritisieren.


Harte Zeiten für Iran in der Krise. Bild: TM

Auch außerhalb der Farmer-Szene gibt es Unterstützer dieser Idee. Qasem Ali Hassani, Generalsekretär des Verbands der Tafeln, glaubt, dass die Förderung der einheimischen Produktionskapazität in verschiedenen Produktgruppen wertvoll und willkommen ist, aber dazu sollte bedacht werden, dass die Unterstützung für die heimische Landwirtschaft fruchtbar ist, wenn im Land zu vernünftigen Preisen produziert werden kann und die Verbraucher sich diese Preise leisten könnten und nicht von Mangel an den lebensnotwendigen Dingen leiden.


Gegenwärtig ist der iranische Reismarkt in einer Zeit des saisonalen Importverbots. Die Erntezeit läuft derzeit und die Produkte werden bald auf den Markt kommen. Der persische Reis wird mit einem Großhandelspreis von 170.000 bis 280.000 Rial pro Kilo verkauft werden, der ausländische Reis wird mit einem Preis von 180.000 bis 260.000 in den Großhandel kommen (Unterschiede durch Wechselkurs und Qualitäten).Im Gegensatz zu populären Annahmen wird der Import-Stopp für ausländischen Reis die Preise für persischen Reis bis zu dreifach steigern, unter anderem wegen des geringeren Anbaus und der Monopolisierung auf dem heimischen Markt.


Die Erfahrung in der Wirtschaft und im Handel hat gezeigt, dass Angebotsmonopole bei einzelnen Produkten nicht die heimische Produktion steigern und zudem die “Faulheit” der Hersteller bei Produktion und Verteilung der Erzeugnisse fördern. Überall wo ein gesunder Wettbewerb herrscht, hat man Wachstum in Qualität und Quantität sehen können.Trotz der Verdoppelung der Reispreise hat die Corona-Krise im Iran zu sinkenden Bedarfen um 20 bis 30 Prozent bei ausländischen Reis durch den sinkenden Bedarf bei Restaurants, Hotels und Unterkünften geführt. Dazu kommt noch die Rezession , die weiter den Bedarf senkt.