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Vater der iranischen Blogger-Szene: Hossein Derakshkan

Aktualisiert: 5. Juni 2019

Begründer der Blogger-Szene im Iran, Vater der Blogger oder wie auch immer er genannt wird - eines ist klar: Hossein Derakhshan hat maßgeblichen Anteil an der blühenden Blogger-Szene und deren Erfolg im Iran.

Hoder, wie sich Hossein im Internet nannte, ist mittlerweile 44 Jahre alt und lebt in Kanada.

Sechs Jahre, von 2008 bis 2014, saß er berüchtigten Evin-Gefängnis, weil den Mächtigen des Landes seine Berichte nicht gefielen.


Begonnen hatte er als Journalist für Internet, als das für Merkel noch nicht einmal Neuland war, und Digitalkultur. Nach den ersten Schwierigkeiten mit dem iranischen Regime ging er Ende 2000 nach Kanada und begann zu bloggen, auf Farsi und damit

für sein Heimatland. Schnell erkannte er den Wert und Einfluss von unabhängigen Nachrichten und Geschichten auf die politische Stimmung, wodurch er ins Fadenkreuz des Regimes geriet.


Hossein Derakshan aka Hoder

Nach einem Besuch 2005 im Iran wurde er von der Geheimpolizei bei der Ausreise verhaftet und befragt - schlimmer noch, er wurde gezwungen, sich auf seinem Blog für die angeblichen

"anti-iranischen" Äußerungen zu entschuldigen - was er nach seiner Ausreise natürlich postwendend widerrief. Einen weiteren, in den Augen des Regimes unverzeihlichen Akt, unternahm er, als Hoder in den Jahren 2006 und 2007 den Erzfeind Israel besuchte und auf Konferenzen öffentlich auftrat.


Dabei war Hoder nur das, was er schon immer war und noch heute ist: Ein freier Geist, der unabhängig von allen angeblichen Autoriäten denken und schreiben will. So verteidigte er beispielsweise auch das Recht des Iran auf Selbstverteidigung, zur Not mit Nuklearwaffen, auf eine ausländische Aggression oder kritisierte die USA für ihre Politik im Nahen und Mittleren Osten.


Mit der gleichen Leidenschaft kritisierte er aber auch das iranische Regime und forderte Freiheiten für das Volk ein. Die Protestwelle von 2006 verfolgte er mit brennender Neugier und berichtete intelligenter als viele "professionelle" Journalisten aus aller Welt.

2008 schnappte sich ihn schließlich das Regime bei einem Besuch bei seiner Familie und verurteile ihn zu fast 20 Jahren Haft. Nach fast zwei Jahren ohne Anklage oder Prozess wurde er 2010 verurteilt, 2014 jedoch begnadigt und verließ den Iran.


Heute schreibt Hoder wieder gelegentlich und arbeitet als Wissenschaftler an der Harvard Kennedy School. Hoders Mut, seine herausragende Schreibe und sein Engagement für die Freiheit inspirierten viele weitere Menschen, Blogs zu eröffnen, mit lebendigen Meinungen und Austausch zu füllen - und damit die politische und kulturelle Entwicklung voranzutreiben, die ihnen von alten Männern mit langen Bärten verweigert werden.