• Redaktion

Tahrir - Ort von Freiheit und Gewalt

Mit der ägyptischen Rebellion von 2011 gegen den Machthaber Mubarak geriet der Tahrir-Platz ("Befreiungs-Platz") in das Licht der Öffentlichkeit. Millionen Demonstranten stellten sich über Wochen hinweg den Sicherheitskräften des Diktators entgegen und konnten ihn schlussendlich stürzen.

Der Tahrir-Platz liegt Nahe des rechten Nilufers und ist zentraler Kreuzungspunkt der Metrolinien in Kairo. Bekannt war der Platz vor der Revolution besonders für die Mogamma, das zentrale Verwaltungsgebäude des Staates und die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten und wichtigen Gebäude wie das Ägyptischen Museum, die Amerikanische Universität, die

Zentrale der Partei des ehemaligen Diktators sowie das Hochhaus der Arabischen Liga.

Der Platz ist damit nicht nur der zentrale Punkt der Metropole Kairo, sondern des ganzen Landes insgesamt. Und damit ein Machtsymbol, den es einzunehmen gilt, wenn der Herrschaftsanspruch demonstriert werden soll.

Aus diesem Grund wählten die Demonstranten von 2011 den Midan Tahrir, um das System Mubarak herauszufordern.



Bereits während der Brotunruhen 1971 gegen Sadat war der Tahrir Schauplatz großer Proteste, 20 Jahre später demonstrierten Tausende Ägypter gegen den Irakkrieg des Bush Senior.

2011 schließlich erhob sich das Volk gegen seinen Machthaber und nach wochenlangen Protesten mit vielen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regime und den meist jungen Demonstranten wurde der Platz zum weltweiten Symbol für Freiheit und Widerstand. In aller Welt entstanden "Tahrir-Plätze" - sogar in Israel, als die Menschen gegen die hohen Lebenshaltungskosten protestierten.



Nach dem Sturz Mubaraks entstand leider aber auch die zweite, hässliche Seite des Platzes.

Der Sturz des Regimes bedeutete auch den Sturz der innen Ordnung, sodass Tausende Frauen sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert waren. Schlägertruppen des untergegangenen Regimes, Sicherheitskräfte, aber auch Tausende Demonstranten oder einfache Leute aus der Stadt fielen über Frauen her, bedrängten diese, zogen sie aus oder vergewaltigten sie. Menschengruppen von Dutzenden jungen Männern umringten Frauen am hellichten Tag und vergewaltigten sie, ohne dass andere Menschen oder Sicherheitskräfte eingriffen.


Die Machtübernahme des neuen starken Mannes am Nil, Feldmarschall al-Sisi, beendete diese Exzesse und beendete auch die Demokratiebewegung in Ägypten. Al-Sisi, der den symbolischen Wert des Platzes genau erkannte, verhängte seit seiner Machübernahme ein Demonstrationsverbot, das von starken Sicherheitskräften rigoros durchgesetzt wird.

Wieder zeigt sich: Wer den Tahrir kontrolliert, kontrolliert das Land.