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Preisgekrönter Diktator Al-Sisi?

Der bekannte Dresdner Semperopernball – sonst im Schatten des Wiener Operballs stehend - sorgte dieses Jahr für große Schlagzeilen: Zwar wurde die geplante Preisverleihung an den ägyptischen Autokraten Al-Sisi abgesagt, nachdem zwei der Moderatorinnen unter öffentlichem Druck zurückgezogen hatten, der Ärger aber blieb. „Aus Respekt vor den vielen Diskussionen der vergangenen Tage und um in Ruhe über künftige Entscheidungen nachdenken zu können, verzichten wir diesmal auf Preisverleihungen“, verkündete der Verein.


Demokraten unter sich: Al-Sisi, bin Salman und Trump

Wieso kam der Veranstalter überhaupt auf die Idee, Al-Sisi einen Preis zu verleihen? Das ist bis heute ungeklärt. Bekannt ist aber Al-Sisis Rolle in Ägypten. Nach dem Sturz der Muslimbrüder übernahm nach Mubarak wieder das Militär die Herrschaft und lenkt seitdem das Land in den „guten alten Methoden“. Das beutetet Repression, Verfolgung von Oppositionellen und Unterdrückung von freien Medien. Das bedeutet aber auch Ruhe an der Terrorfront und ein Beibehalten des Friedens mit Israel und ein Verbleib des Landes an der Seite des Westens.


Es scheint also, als wäre Al-Sisi des Westens Lieblingsautokrat. Dies ist natürlich nicht der Fall, aber die Stille in Bezug auf das ägyptische Regime ist doch sehr laut.

In der arabischen Welt hat sich Al-Sisi dagegen einen besonders zweifelhaften Ruhm erarbeitet. Er hat sich als Abziehbild des nahöstlichen Autokraten erwiesen, wie Sherif Mohyeldeen und Noha Khaled in ihrem lesenswerten Artikel schreiben:


„Wie schon in den 1950er Jahren setzte das Regime neue Maßstäbe für eine strenge staatliche Kontrolle der Gesellschaft. Genau aus diesem Grund wurde Sisi in den letzten Monaten von Demonstranten vehement angegriffen.“

Es zeigt sich wieder einmal, dass der Schrecken der Militärdiktaturen im Nahen Osten noch lange nicht überwunden ist. Europas Linke verweisen reflexhaft auf die Rolle des Westens, aber das ist so einfach nicht – denn was sind die Alternativen? Die islamistischen Projekte Algeriens und Ägyptens sind (glücklicherweise) gescheitert, Saudi-Arabien und der Iran leiden unter den theokratischen Kleptokratien. Lediglich Tunesien hat sich in den letzten Jahren verbessert – und bleibt damit die Ausnahme in der Region.