• Redaktion

Mokka: Stadt, Getränk und Auto

Auto-philen Lesern ist Mokka sicherlich ein Begriff. Eines dieser scheußlich-schönen SUVs, die dazu genutzt werden, den Nachwuchs die 500 Meter zur Schule zu fahren.

Offiziell ist der Name der Kaffeesorte entlehnt. Geschichtsfans wiederum wissen, dass es da doch irgendwo eine Stadt gibt, die so ähnlich heißt.

Und damit kommen wir auch schon zur Sache: Mokka oder Al-Mukha ist eine Stadt im Jemen, die Namensgeber für den Kaffee (und schlussendlich auch für die Vorstadt-Kutsche Opel Mokka) ist.


Al-Mukha im Jahr 1692

Al-Mukha ist heute ein mückenverseuchtes, verschlafenes Hafenstädtchen mit rund 10.000 Einwohner im Jemen, das seine besten Tagen schon hinter sich hat.

Einst war es der Hafen für die Hauptstadt Sanaa und kam zu einigem Reichtum. Dieser Reichtum ist noch heute an den langsam verfallenden Häusern zu sehen, die der Stadt ein morbiden Charme schenken.

Bis ins 19. Jahrhundert war Al-Mukha der wichtigste Hafen der Region, wenn es um die Verschiffung von Kaffee aus dem gegenüberliegenden Äthiopien ging. Dann liefen die Städte Udeida und Aden der Stadt den Rang ab und Al-Mukhas Glanz verblasste.

In den drei Jahrhunderten davor besaß die Stadt jedoch noch das Weltmonopol auf den Kaffee und war Ziel von Händlern aus aller Welt, wie durchreisende Entdecker und Missionare aus Europa berichteten. So zählte Remedius Prutka im Jahr 1756 drei französische, vier englische, zwei holländische und ein portugiesisches Schiff im kristallklaren Wasser vor Al-Mukha.


Al-Mukha im 19. Jahrhundert

Die Stadt war im Kaffeehandel so erfolgreich, dass schließlich der Name der Stadt auf den Kaffee überging und sich die Sorte Mokka als Qualitätsmerkmal entwickelte.

1820 war es jedoch mit dem Reichtum und der Ruhe vorbei: Im Dezember 1820 attackierte ein Schiff der britischen East India Company die Stadt und nahm diese ein.

Zu jener Zeit geriet die Stadt jedoch auch aus anderer Richtung in Bedrängnis. Die äthiopischen Kaffeebauern hatten längst den Wert der Sorte Arabica erkannt und bauten diese in ihren Landen an - zu einem Drittel des Preises aus Al-Mukha.

Der letzte Schlag war jedoch die Aufwertung Adens durch die Briten als wichtigste Stadt in der Region: Durch diese Entwicklung verlor die Stadt ihren Platz als Hafen und stieg in der Relevanz immer weiter ab.

Das einzige was von der früheren Herrlichkeit blieb, sind die vielen einzigartigen Häuser der Stadt und der Name, den die Stadt der Kaffeespezialität einst schenkte.

Apropos Kaffee: Mokka ist heute kein einheitlich verwendeter Begriff.

So wird eine alte Art der Kaffeezubereitung nach der Stadt genannt. Mokka als Zubereitung beschreibt die ursprüngliche Art (Aufgießen eines Pulvers mit Wasser) darstellt.

Arabischer Mokka ist mit Gewürzen verfeinert, die türkische Variante mit Rosenwasser und jeder Menge Zucker gesüßt, bei den Griechen ohne Zucker und Gewürze und bei den vielen Völkern auf dem Balkan wird ebenfalls wenig bis gar nicht gesüßt und nicht gewürzt.

In Österreich wird ein Espresso, also ein kleiner Schwarzer, oft als Mokka verkauf. Caffe Mocha wiederum ist ein mit Schokolade versetzter Kaffe und ein Mocchachino ist, nun, ehrlich gesagt das gleiche.


Spielwiese für Baristas: Der Mocca

Mokka als Plfanzensorte wiederum ist eine Kaffeesorte, die heute vor allem in Äthiopien wächst und von dort in alle Welt exportiert wird.

Mokka ist aber auch eine spezielle Kaffeekanne, die ihre Form aus der Art der Zubereitung gewonnen hat.

Auch Deutschland kann mit einer Mokka-Variante aufwarten: Da der Kaffee oft teuer war, wurde er mit Rüben oder ähnlichem (bäh!) verschnitten. Die französischen Besatzungssoldaten Anfang des 18. Jahrhundert in der Pfalz kamen mit dem Getränk in Kontakt und tauften es "Mocca faux" (falscher Mokka), aus dem wiederum der Begriff Muckefuck entsprang.

Der Vollständigkeit halber seien zum Abschluss noch die Merkmale des Autos erwähnt: Ein Mokka a la Opel wiegt ca 1,5 Tonnen, verbraucht etwa 8 Liter im Normverbrauch (also ungefähr 10 Liter normal) und beschleunigt von 0 auf 100 km/h in etwa 10 Sekunden.

Ein echter Mokka wird übrigens langsam genossen.