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Medien im Iran in der Corona-Krise – und die Reaktion der Menschen

Von Tooba Moshiri (TM), Teheran

Die Verbreitung des Corona-Virus hat interne Konflikte im Iran weiter angefeuert. Zwei Seiten treffen aufeinander und bekämpfen sich heftig – die Unterstützer des Regimes drängen die Menschen dazu, nur Staatsmedien zu glauben, während die Regimegegner die staatlichen Medien der Lügen und Manipulation bezichtigen und ihnen jede Unterstützung verweigern.Seit langer Zeit werden Regime-kritische Medien wie Zeitungen, Magazine und Webseiten geschlossen, Journalisten werden verfolgt und vor Gericht gestellt. Viele Journalisten sehen sich harten Strafen gegenüber und werden für lange Zeit ins Gefängnis gesteckt. Viele von ihnen werden wegen Kritik am Regime und manchmal wegen Spionage für fremde Mächte angeklagt.


In der Kritik: Medien im Iran. Bild: TM

Das Misstrauen gegenüber den staatlichen Nachrichtenagenturen hat sich im letzten Jahr und schon vor Corona wegen zweier Ereignisse verstärkt. Im November hatten sich viele Menschen gegen das Regime aufgelehnt als die Benzinpreise über Nacht erhöht wurden. Rund 1500 Menschen starben auf den Straßen, Tausende wurden verfolgt und das Internet wurde in den meisten Städten und Provinzen abgeschalten. Im nationalen Fernsehen des Landes wurden die Demonstranten als von regierungsfeindlichen Gruppen gelenkt bezeichnet. Viele Menschen, die Fotos und Videos verbreiteten, wurden verhaftet und sehen sich harten Strafen ausgesetzt.Im Frühjahr diesen Jahres geschah das zweite Ereignis: Eine ukrainische Maschine wurde von den Revolutionsgarden abgeschossen. Die iranischen Staatsmedien bezeichneten den Vorfall als “menschlichen Fehler” und erklärten alle anderen Nachrichten als falsch und von Feinden des Landes gesteuert. Nachdem jedoch die Falschnachrichten des Regimes aufgedeckt wurden, änderten sie plötzlich ihre Aussagen und ihre Erklärungsversuche. So wurde bekannt, dass das Regime früh von den wahren Ereignissen wusste und dennoch den Abschuss verdecken wollten.


Jetzt werfen viele den Medien vor, dass sie wieder die Wahrheit vertuschen. Viele Menschen glauben, dass die Regierung bewusst die Gefahren der Corona-Pandemie aus zwei Gründen ignorierte: Zum einen sollte am 11. Februar der Sieg der Revolutionsgarden im Jahr 1979 gefeiert werden, um die Einheit des Volkes gegenüber den westlichen Feinden – insbesondere den USA – zu demonstrieren. Dazu kam noch der Tot des berühmten Generals Qasem Soleimani durch US-Raketen im Irak. Auf der anderen Seite standen die Parlamentswahlen an und das Regime wollte zeigen, dass viele Menschen an der Wahl teilnehmen. Eine Wahl, die von vielen abgelehnt wurde und die niedrigste Wahlbeteiligung seit der Revolution verzeichnete. Einige Tage nach der Wahl wurden die ersten Opfer der Corona-Pandemie in Ghom öffentlich gemacht. “Ich bevorzuge Medien, die frei sind und keiner Agenda folgen. Die Erfahrung zeigt, dass solche Organisationen im Iran schnell geschlossen werden und unabhängige Journalisten hinter Gitter landen. Für mich und andere ist es daher extrem schwer, Nachrichten außer den staatlichen zu bekommen”, sagt Hamed Ramezani, Aktivist und Student von Drama und Literatur der Uni Teheran.


Viele informieren sich lieber über Telegram und Facebook. BIld: TM

Die Nachrichten der staatlichen Medien und der Medien aus dem Ausland widersprechen sich stark: Die iranischen Medien behaupten, die Lage wäre unter Kontrolle, während ausländische Medien die iranische Regierung der Lüge und Täuschung bezichtigen. Aber nicht alle Menschen im Iran habe die Chance, ihre Nachrichtenquelle frei zu wählen. Fernsehen und Zeitungen werden streng kontrolliert. Für Facebook, Twitter, Telegram und Youtube müssen VPN-Tunnel und Proxies genutzt werden, da deren Nutzung im Iran verboten ist.“Ich habe seit einiger Zeit keine Zeitungen mehr gelesen oder TV-Sendungen gesehen. Ich suche meine Nachrichten im Internet, da fühle ich mich frei zu wählen und habe eine große Auswahl. Die Hauptquelle für Nachrichten für meine Familie und mich sind Telegram-Kanäle. Wir schicken uns die Nachrichten und Interessantes zu”, sagt Arezoo Vahdat, 45 Jahre alte Hausfrau aus Teheran.


Mohammad Hussein Ranjbaran, ein Journalist mit engen Verbindungen zu den Revolutionsgarden erklärte in einem tweet: “Nach Angaben eines Forschungsinstituts beziehen 81 Prozent der Menschen ihre Informationen von nationalen Medien. Ihr Vetrauen zu den Informationen liegt bei rund 70 Prozent”. Viele Twitter-Nutzer reagierten auf den Tweet und bezeichneten die Nachricht als von den Regierenden bestellt. Im Land sind viele Banner und Plakate aufgehängt worden, die sagen, dass die Regierung mit aller Kraft gegen den Virus kämpfe und dass der Iran den Ausnahmezustand überwunden hat und die Ansteckungen nach Nourouz verringern konnte – obwohl viele Experten glauben, dass die Wiederaufnahme der Arbeit eine zweite Welle auslösen kann.