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Mashad: Corona in der Stadt der Heiligtümer

Von Tooba Moshiri (TM), Iran

Maschhad ist eine der religiösen Städte im Iran, insbesondere durch sein wichtigstes Heiligengrab von Imam Reza. Der Schrein hat die Bedeutung der Stadt erheblich beeinflusst. Es ist die größte Metropole im Nord-Ost Iran, in der strenge religiöse Regeln gelten, sie gilt als religiöses Zentrum des Iran. Nach Ausbruch von Covid-19 in der Stadt Ghom wurde die Schließung der Schreine, die täglich von vielen Menschen besucht werden, zum Thema. Diese Maßnahmen dienten dem Zweck, die Gesundheit der Bevölkerung vor der Pandemie zu schützen.


Corona tritt nicht nur Mashad hart. Bild: TM

Durch die Schließungen erlitten die religiösen Extremisten einen Rückschlag.“Zu Beginn nahmen die Menschen in Maschhad das Virus nicht ernst. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, acht Personen in einer Schicht betreuen zu müssen, was für jedes Krankenhaus keine gute Quote ist. Erst nach vielen Todesfällen und der Verbreitung von den Neuigkeiten zu der Entwicklung des Virus, ergriffen die Menschen Maßnahmen, um ihr Leben zu schützen. Viele wollten ihre Geschäfte nicht schließen, bevor der Heiligenschrein geschlossen wurde. Dieser war sogar zu Kriegszeiten geöffnet, erst die Bedrohung durch das das Virus verursachte dessen Schließung. Die Bewohner Maschhads legen großen Wert auf ihre religiösen Traditionen, daher erregte die Schließung große Aufmerksamkeit. Seither legen die Menschen den Fokus auf ihre Sicherheit und die der anderen. Andernfalls ist der Informationsfluss und die Schutzhinweise im Internet, die wir gegenwärtig erleben, nicht zu erklären,” sagt Dr. Bardia Badi` Zadeh, diensthabender Arzt im einem Krankenhaus von Maschhad.


Er führte weiter aus:“Die größte Herausforderung im Kampf gegen das Virus sind die finaziellen Probleme der Menschen. Die Schließung von Geschäften führt zu einem Anstieg von Obdachlosigkeit auf den Straßen. Diese kann aufgrund der finanziellen Lage der gesamten Arbeiterschaft auch nicht verhindert werden. Dies betrifft nicht nur den Iran, sondern beschäftigt viele Länder auf der Welt.”Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Höhepunkt des Virus überschritten ist, fügte Dr. Badizadeh hinzu, fühlten sich dieser Tage viele Menschen besser, als in den Wochen zuvor:“Auf dem Höhepunkt der Ausbreitung von Covid-19 seit Anfang März bis Mitte April waren zunächst nur drei Krankenhäuser in Maschhad damit beschäftigt, am Virus Erkrankte zu behandeln. Mit dem Anstieg der Infektionszahlen und den Kapazitätsschwierigkeiten der Krankenhäuser, waren viele Kliniken gezwungen, extra Plätze für Covid-19 Patienten zu schaffen bzw. sich auf die Behandlung des Virus zu spezialisieren.” Nun haben die zwei Krankenhäuser, die zuletzt mit Covid-19 Patienten zu tun hatten, bekanntgegeben, dass es keine Neuinfektionen mehr gibt.


Aus Angst vor Corona bleiben viele zuhause. Bild: TM

Weitere Bemerkungen zu der Suche nach einem Heilmittel oder Impfstoff gegen das Virus:“Ein Impfstoff oder eine Behandlung für Covid-19 ist in absehbarer Zukunft nicht ersichtlich. Der Zustimmungsprozess der FDA für die Genehmigung der Massenproduktion eines Behandlungsmittels und die Verfügbarkeit eines solchen Medikamentes kostet Zeit. Ich persönlich sage dabei einen drei bis sechsmonatigen Zeitraum voraus, es sollte nicht länger gewartet werden. Aber es wird einen Impstoff geben, der für die breite Masse verfügbar sein soll und unter Umständen, wie bei der Grippe, einer jährlichen Erneuerung bedarf.”“Seit Ausbruch der Pandemie sah sich das Krankenhauspersonal erheblichem Druck ausgesetzt, aber ihre ständigen Bemühungen in Nacht und Tag waren der Schlüssel, um das Virus in Schach zu halten.”


Parisa Khaani, eine Krankenschwester aus dem Krankenhaus von Maschahd berichtet davon, wie unterschiedlich sie von einzelnen Patienten behandelt wird.“Im Zeitraum von Covid-19 behandeln die Menschen das Krankehauspersonal viel freundlicher. Nach einigen öffentlichen Kampagnen, um allen tapferen Menschen an vielen Stellen des Landes zu danken, änderte sich die Einstellung der Menschen diesbezüglich. Vor der Pandemie war das Personal oft mit Agrressionen von Patienten und Angehörigen konfrontiert, aber dieser Tage wird es mit Fürsorge und Freundlichkeit behandelt. Dieser Wandel wird in der momentanen Zeit erst wirklich sichtbar”


Gerade Senioren sind stark von Corona betroffen. Bild: TM

Frau Khaani fügt in der Angelegenheit, mit der Zeit weniger Patienten aufzunehmen, hinzu:“Im Krankenhaus sind ausschließlich Patienten mit schlimmen Verläufen der Krankheit zugelassen. Andernfalls werden sie nach Hause geschickt und zur Selbstquarantäne verordnet. Damals wurden Zimmer verstorbener Patienten zügig erneut besetzt und die Intensivstation war voll mit Patienten, welche einen kritischen Verlauf des Virus hatten, nicht alle konnten aufgenommen werden. Aber nun haben sich die Fallzahlen deutlich reduziert.”Momentan haben die meisten Krankenhäuser geringe Aufnahmezahlen und die Sterblichkeitsrate ist erheblich gesunken, verglichen mit den Vormonaten. Aber die Sicherheitsmaßnahmen der Menschen in der Öffentlichkeit werden auch in Zukunft anhalten, insbesondere bei Menschen, die besonders anfällig für das Virus sind.“Als die Situation schlimm war und das Reinigungspersonal den Krankenhausboden lediglich unter Nutzung einer Atemschutzmaske gewischt hat, haben sie gleichzeitig den Bereich kontaminiert. Oftmals mussten Krankenhausmitarbeiter und Schwestern als Patienten aufgenommen werden, weil sie sich selbst infiziert hatten.”


“Nach der Pandemie hat sich die Notfallbetreuung der Kliniken geändert. Nun wird auf der Intensivstation zwischen Atemwegspatienten und den restlichen Patienten unterschieden. Dies hat den Schutz beider Patientengruppen voreinander erheblich verbessert,” sagte Frau Khaani.Offzielle Zahlen belgen, dass nicht nur in Maschhad, sodern auch in Teheran und anderen Metropolen im Iran sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Iraj Harichi, stellvertretener Gesundheitsminister, sagte am Donnerstag Nacht im Rahmen von Qazvin's Corona-Komitee, welches im Büro des Gouverneurs tagte: “Die Situation im Land ist nicht normal und ein einzelner Patient und eine weitere Massenausbreitung kann ein Schritt zurück bedeuten und führt uns in eine weiter Katastrophe.


Er fügte hinzu: “Die Leute sollten nicht denken, dass weniger Beschränkungen ein Weg zurück in die Normalität bedeuten und die Sicherheitsvorschriften nicht mehr eingehalten werden müssten. Es ist zwei Monate her, dass Schulen und Universitäten geschlossen wurden, genau wie Geschäfte, der Bazar, Moscheen und wöchentliche Gebete abgesagt wurden. Wir können das Virus regulieren, wenn wir uns nicht überschätzen und und die Grenzen nicht übertreten und so eine weitere Katastrophe vermeiden.”Harichi merkte ebenfalls an: “Das Land wurde unterteilt in weiße, gelbe und rote Zonen und jede Stadt, die weniger als 4 Infizierte in zwei Wochen hat, wird der weißen Zone zugeordnet.”