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Kleine Geschäfte, Opfer von Corona

Von Helia A.

Vor etwa 15 Jahren begannen überall im Iran kleine Cafes aus dem Boden zu sprießen, besonders in der Hauptstadt Teheran. Vom Enghelab Platz, der als als einer der wichtigsten Plätze auch als kulturelles Herz der Stadt bekannt ist, bis hin zum Ferdowsi Platz und an den Straßen in das Karim Khan Viertel, sind überall Buchläden, Verlage, Kinos und Theater zu finden und besonders auch bei der Universität von Teheran, viele Cafes mit verschiedensten Stilen.


Cafe-Kultur in Teheran

Eines dieser Cafes wird von Mitra geführt. Das Cafe liegt nahe der Universität von Teheran. Mitra hat lange Jahre als Autorin und Übersetzerin gearbeitet, aber die Probleme mit der Zensur, mit der Veröffentlichung von Büchern und Probleme durch das geringe Einkommen haben sie über einen neuen Job nachdenken lassen. Sie sparte Geld, leihte sich weiteres von ihrer Familie und mietete ein kleines Ladenlokal für ihr Cafe. Das Cafe entwickelte sich über die Jahre zu einem beliebten Treffpunkt der Studenten der Universität Teheran.


Sie erzählt: “Als ich Studentin war, vor etwa 20 Jahren, gab es einige berühmte Cafes in Teheran, wo sich die Studenten treffen konnten. In den Cafes haben wir uns getroffen, um über Politik und andere Dinge zu diskutieren. Es war die Zeit von Khatami und wir diskutierten über neue Politik und Reformen. Ich erinnere mich an ein Cafe namens Tir (übersetzt Titel), das von zwei Journalisten geführt wurde und als Treffpunkt von Journalisten und Autoren bekannt war. Zweimal pro Woche kamen berühmte Autoren und Journalisten und wir diskutierten über Politik und Gesellschaft. Das Cafe und einige andere wurden später geschlossen, da die Konservativen moderne Cafes als Teil einer Verwestlichung der Jugend verstanden, was gegen die Islamischen Werte verstieß.”


Heute verwaist, sonst ein Zentrum der Jugend

Mitra ergänzt: “Es mag zwar sein, dass die Cafes im Iran zu Beginn sich an westlichen Vorbildern orientierten, aber im Grunde ist die Cafekultur im tradtionellen Sinne Teil der Safavi-Ära aus dem 17. Jahrhundert und des Bürgertums der Ghajar Dynastie im späten 18. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden sie nicht Cafes genannt, sondern waren als Ghahveh Khaneh (Kaffeehäuser) bekannt und wurden meist von Männern besucht. Die modernen Cafes wurden in den 1950er und 1960er Jahre begründet und wurden Zeichen von selbsternannten Intellektuellen in dieser Zeit.


Cafes wurden durch ihre Besucher wie Künstler, Denker, Dichter, Autoren und Journalisten sowie Diplomaten ihrer Zeit bekannt. Auch Frauen besuchten diese Cafes. Nach der Islamischen Revolution schloss die neue Regierung die Cafes. Die Schließungen waren Teil der Kontrolle der Gesellschaft und ihrer verdorbenen Sitten. Für unsere Generation sind Cafes Zeichen der sozialen Freiheit in unserem Land, ein Platz, wo sich junge Menschen treffen können.”Sie glaubt, dass moderne Cafes sich in populäre Orte zum Socializing entwickelt haben. Cafes sind für junge Leute ein beliebter Zeitvertreib in diesen Zeiten, auch wenn diese manchmal religiös sind.


Die Cafes sind besonders beliebt, um Menschen kennen zu lernen und zu treffen. Cafes sind Ort, wo sich junge Männer und Frauen frei treffen können. Sie sind ein ruhiger Ort in entspannter Atmosphäre, um sich von einem harten Tag zu erholen. Rauchen und Live-Musik sind in der Regel erlaubt. Dies belegt einen größeren Wandel im Iran, der schon härtere Zeiten der Restriktion gesehen hat. Dies war Grund für Mitra, ihr eigenes Cafe zu gründen: “Ich liebte es, in einem ruhigen Ort zu arbeiten und neue Leute kennenzulernen und mit ihnen abzuhängen. Es ist sehr schwer, ein Cafe zu führen, da die Regierung und Sicherheitsorgane direkte Kontrolle über dich haben und gleichzeitig ist der Wettbewerb in unserem Bereich sehr hoch. Die meisten Cafes wurden von Einzelpersonen gegründet und betrieben. Nur ein paar Ketten haben ihre eigene Marke und einige Cafes. Das Design und die Einrichtung der iranischen Cafes sind sehr verschieden und jeder Stil – modern oder traditionell – hat seine Fans. Wenn du keinen guten Service und guten Cafe bietest, gehst du schnell bankrott.”


“Wir haben alles bedacht, um unsere Geschäfte während der aktuellen Krise behalten zu können, der sich der Iran gegenübersieht, aber wir haben sowas wie Corona nicht erwartet. Corona hat alles zerstört”, so Mitra. “In den ersten Wochen haben wir wie alle anderen unsere Geschäfte und Cafes geschlossen. Das hatte aber keine Effekte auf die Verbreitung, da wir keine Kunden hatten. Seit etwa vierzig Tagen haben die Cafes und Restaurants geschlossen und wir wissen nicht, wie lange der Zustand andauern wird. Wir müssen Gehälter, Mieten und andere Ausgaben wie Wasser, Strom und Gas bezahlen, während unsere Einnahmen wegbrechen.”Sie glaubt nicht, dass sich die Lage schnell verbessern wird, auch wenn sich die Verbreitung abschwächt. Die Cafes und Restaurants werden nicht öffnen, da immer noch große Furcht und Stress in der Bevölkerung herrscht und die Menschen sich nicht in die Öffentlichkeit trauen. “Wir sollten auch Ramadan bedenken und dass wir eh geschlossen hätten. Es gibt keine Hoffnung.”


safecave soll die kleinen Geschäfte retten

In den sozialen Medien wurde eine Kampagne mit dem Hashtag #safecave ins Leben gerufen und das Parlament zur Hilfe für die kleinen Geschäfte aufgerufen. Aber Mitra denkt, dass die Krise zu schwer ist und keine Hilfe ekommen wird. Viele werden ihre Arbeit verlieren, viele Geschäfte schließen und mehr und mehr Leute verarmen und bankrott gehen.