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Kaum Hilfe für Afghanen bei Corona

Von Tooba Moshiri, Iran (TM)


Die Corona-Pandemie hat den Iran seit Monaten im Griff und scheint nicht besser zu werden. Tausende Menschen sind schon gestorben und sterben immer noch und die Regierung scheint nicht in der Lage, eine Quarantäne wie zu den Norouz-Feiertagen einrichten zu können. Die meisten Geschäfte und Unternehmen sind immer noch offen in diesen Zeiten und die Menschen sind auf den Straßen unterwegs.


In Scharen verlassen Afghanen das gebeutelte Land. Bild: TM

In diesen Zeiten sehen sich die Iraner großen Problemen wie teure medizinische Behandlungen und fehlenden Krankenhauskapazitäten ausgesetzt, vor allem afghanische Migranten in der Hauptstadt Teheran sehen sich ebenfalls diesen Problemen ausgesetzt.Saeed Namaki, Gesundheitsminister des Iran sagte, dass alle Krankenhäuser aufgefordert wurden, infizierte Migranten zu behandeln, auch jene ohne legalen Aufenthaltsstatus, damit niemand ohne Behandlung sei. Er ergänzte: Die Behandlung von Infizierten ist kostenlos.In einer Zeit, in der nicht mal die meisten iranischen Bürger in den Genuss einer freien Versorgung bei Corona komen, sind solche Aussagen bemerkenswert und ganz offensichtlich politische Propaganda, weit entfertn von der Wahrheit. Viele Berichte afghanischer Migranten aus dem ganzen Land zeigen, dass die Krankenhäuser diese Anweisungen missachten und die Afghanen für die Versorgung bezahlen lassen. Öffentliche Krankenhäuser haben keine Betten mehr verfügbar, Patienten werden in Wartelisten aufgenommen und müssen tagelang auf freie Betten warten. Die Kosten in privaten Kliniken sind so hoch, dass nur die Reichen sich in diesen luxuriösen und gut ausgestatteten Kliniken behandeln lassen können. Kein Afghane könnte sich diese Preise leisten, so Fachleute.


Entrechtet und besonders unter Druck: Afghanen im Iran. Bild: TM

Ali Shayeste, ein 21 Jahre alter Migrant lebt in Pakdasht nahe Teheran. Sein Bruder hat vor kurzem die Infektionen mit Corona überstanden, ist aber immer noch wütend über die Behandlung seines Bruders. Er beschreibt die Behandlung wie folgt: “Wegen jeder kleinen Erkältung müssen wir in der örtlichen Klinik die Kosten im Voraus bezahlen. Als wir meinen Bruder mit Corona-Symptomen zur Klinik brachten und die Eingangsuntersuchung bezahlten, wurde uns gesagt, es wäre besser, wenn er ohne Test zu Hause in Quarantäne bleibe. Sein Fall wurde in weniger als fünf Minuten abgeschlossen. Danach gingen wir zum Krankenhaus und zahlten einen hohen Preis einen Corona-Test. Der Arzt sagte, auch bei seinem positiven Test sei kein Bett für ihn im Krankenhaus vorhanden und es wäre besser, wenn er nach Hause ginge, da er in keiner schlechten Verfassung sei. Mein Bruder konnte kaum atmen und hatte große Schmerzen. Als Afghane im Iran hat meine Familie keine Versicherung und nicht eine einzige Pille wurde uns kostenlos gegeben.”


Wegen Corona hat sich die wirtschaftliche Lage der iranischen Krankenhäuser stark verschlechtert. Gegenwärtig sind nur 20 bis 25 Prozent des üblichen Budgets vorhanden, von dem 40 bis 45 Prozent für Personalkosten verwendet werden müssen.Nazar Amiri, ein afghanischer Menschenrechtsaktivist, erklärt die falsche Behauptung einer angeblichen freien Versorgung für iranische Infizierte wie folgt: Da diese nicht mit den bürokratischen Hindernissen und Abläufen in den Krankenhäusern vertraut sind, sind viele Migranten gezwungen, ihre Behandlung selbst zu bezahlen.Er ergänzt, dass die Sanktionen die Krankenhäuser mit ihrem finanziellen Druck sehr treffen. Amiri fordert, dass internationale Organisationen wie das UNHCR, NRC, WHO und andere dem Iran bei der medizinischen Versorgung helfen sollen.Aziz Salimi, ein Migrant aus Qom sagt auch: “Ich kenne einige Corona-Patienten, die in die Krankenhäuser der Stadt aufgenommen wurden, einige starben sogar, aber alle wurden bis auf den letzten Cent ausgenommen. Alle Krankenhäuser sagte: Nach Norouz müssen alle Patienten mit den vollen Kosten belasten und die freie Versorgung galt nur in den Zeiten von Norouz.”


Das überforderte Gesundheitssystem hat kaum Platz für Afghanen. Bild: TM

Einige Monate nach dem Ausbruch des Corona-Virus im Iran wurden noch immer keine Statistiken über Infizierte und Verstorbene von den Behörden veröffentlicht. Mehr als drei Millionen Afghanen im Land leben derzeit im Iran, in einer Zeit in der das Land sich weitgehenden unilateralen Sanktionen gegenüber sieht. Die Sanktionen bedeuten für die Afghanen ein großes Risiko, sich anzustecken und für eine schlechtere Gesundheitsversorgung. Das hat dazu geführt, dass viele Afghanen den Iran verlassen haben und ihr Heimatland zurückgegangen sind. In der Zwischenzeit drohte ein hoher Regierungsbeamter den Afghanen, dass diese den Iran verlassen müssen, sollten die US-Sanktionen weiter verschärft werden und die Erdölerlöse auf Null sinken.


In einem Gespräch mit dem iranischen Sender Channel 2 sagte der stellvertretende Außenminister Abbas Araaqchi, dass die afghanischen Migranten das Land verlassen sollen, sollten sich die ökonomischen Schwierigkeiten verstärken. Er nennt eine Anzahl von drei Millionen Migranten aus Afghanistan und behauptet, diese würden zwei Millionen Jobs besetzen und drei bis fünf Milliarden Euros Kapitalabfluss jährlich verantworten.Er ergänzte, dass rund 470.000 afghanische Schüler in iranischen Schulen “kostenlos” lernen, zu Kosten von 600 Euro pro Kopf pro Jahr. Die rund 23.000 afghanischen Studenten würden sogar Kosten von 15.000 Euro pro Kopf jährlich verursachen.Es scheint, dass der ökonomische Druck der Trump-Regierung nicht nur die Iraner trifft, sondern auch starke Probleme für die afghanischen Migranten bedeutet, ihre Gesundheit und Leben in Gefahr bringt.