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Kafala. Was ist das, was kann das?

Immer öfter berichten Medien auch im Westen über die zum Teil menschenverachtenden Verhältnisse, unter denen Arbeitsmigranten vor allem in den Golfstaaten leben.

Dabei taucht bisweilen ein Begriff auf, der es Wert ist genauer beleuchtet zu werden: Kafala.

Kafala ist die arabische Bezeichnung für ein Bürgschaftssystem, das vor allem in den Staates des Golfs die Arbeitsbeziehungen bestimmt.


Bauarbeiter. Ein lebensgefährlicher Beruf am Golf.

Da es die Golfstaaten bis heute nicht geschafft haben, eine tragfähige Wirtschaft aufzubauen, die von den eigenen Bürgern getragen wird, sind die Staaten von Millionen von Arbeitsmigranten abhängig.

Das Zentrum bildet in den gesetzlich verankerten Vorschriften bildet dabei das Kafala-System. Hierzu ist ein Bürge (ein Bürger des Staates) verpflichtet, für den ausländischen Arbeitnehmer die Einhaltung der Einreiseformalitäten, der Registrierung bei den Behörden und der Arbeitsrechte zu garantieren. Diese sind meist in einem Vertrag festgehalten. In der Regel zieht der Bürge den Pass des ausländischen Arbeitnehmers ein und übergibt ihm diesen bei Vertragsende wieder. Diese Verträge beinhalten meist eine Dauer von zwei bis fünf Jahren.

Die Bürgen können bei hochqualifizierten Arbeitnehmern auch Ministerien, staatliche Unternehmen, Universitäten oder Forschungsinstitute sein. Bei niedrigqualifizierten Arbeiten wie Haushaltshilfen sind die Bürgen die Familienoberhäupter.


Für hochqualifizierte Arbeitnehmer, also Wissenschaftler, Ärzte oder bestens ausgebildete Facharbeiter in der Ölindustrie, sind diese Regelungen meist eine amüsante, etwas archaisch anmutende Spezialität in den Golfstaaten. Für die vielen Millionen Arbeitsmigranten aus Asien ist dieses System jedoch eine Falle, aus der sie nur schwer wieder entkommen.


Zu oft ein Alptraum aus 1001 Nacht: Die Golfstaaten und ihr Kafala-System

Da der Bürge nämlich den Pass eingezogen hat, sind die Arbeiter dem Bürgen vollkommen ausgeliefert und können sich bei Misshandlungen oder Verbrechen kaum gegen ihn wenden. Die nur sehr rudimentären Arbeitsgesetze helfen kaum und Geld für einen Prozess ist auch kaum da (und die Verträge sind nur in Arabisch gültig und werden von den Migranten nicht verstanden). Zudem kann der Bürge den Arbeiter jederzeit entlassen und ausweisen. Gerade bei den Migranten aus den Armenhäuser Asiens bilden jedoch die Überweisungen an die Familien in die Heimat einen wichtigen Stützpfeiler der Lebenshaltungskosten. Damit stehen die Arbeiter unter dem Druck der Familien in der Heimat und sind durch das Kafala-System weitgehend rechtlos den Herren in den Golfstaaten ausgeliefert, Missbrauch, Vergewaltigungen, Gewalt und menschenunwürdige Ausbeutung sind die Folge.


Von den Einheimischen wird oftmals das Argument vorgebracht, das Kafala-System garantiere einen Schutz vor Überfremdung ihrer Länder, die wie das Beispiel Kuwait zeigt, oftmals weit mehr Ausländer als einheimische Bewohner haben. Nach Ansicht von Menschenrechtsgruppen ist dies jedoch nur vorgeschoben. So würden sich auch menschenfreundlichere Arbeitsrechte mit der Möglichkeit der jederzeitigen Ausweisung kombinieren lassen. Das Kafala-System diene nur dazu, einen "legalen" Rahmen für die Ausbeutung der Arbeitsmigranten zu schaffen.

Derzeit ist jedoch ein Wandel der Gesetze in den Golfstaaten nicht zu erwarten, der Strom von Arbeitsmigranten, die für wenig Geld in den Golfstaaten arbeiten wollen reißt nicht ab, auch wenn in den Herkunftsländern immer mehr Berichte und Warnungen vor den Zuständen am Golf veröffentlicht werden.