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Iran vor Nourouz: Trauriges Neujahresfest

Von Tooba Moshiri, Teheran

Mehr als zwei Wochen sind seit Ausbruch des Corona-Virus im Iran vergangen. Theater und Stadien wurden geschlossen, ebenso Universitäten und Schulen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben und unnötige Reisen zu vermeiden. Läden sind geschlossen, Personen auf der Straße tragen Masken und Plastikhandschuhe, um sich gegen den Virus zu schützen, der das normale Leben der Iraner kurz vor Nourouz, dem iranischen Neujahrsfest, durchwirbelt.


Wo sonst Trubel war, nun gähnenden Leere

Shaghayegh, 28, arbeitet als Redakteurin für einen Online-Möbelshop. Sie ist seit mehr als zehn Tagen nicht mehr im Büro gewesen, das als Präventivmaßnahme gegen den Virus geschlossen wurde. Sie ist eine der vielen Bürger des Landes, die glauben, die beste Reaktion gegen den Virus ist eine Infektion zu vermeiden. Sie will sich so lange zuhause einschließen, bis sich die Lage verbessert hat. Sie erzählt von ihrer Erfahrung mit der Quarantäne: “Ich kann es nicht glauben, dass wir auf den März zu gehen und es gibt keine Neuigkeiten rund um das Neujahrsfest. Ich kann nicht glauben, wie die Stadt aussieht. Ohne jede Begeisterung für den Frühling und einen neuen Start. Ich habe meiner Mutter mit so großer Mühe geholfen, das Haus für das Fest vorzubereiten, damit es ein schönes Heim für unsere Gäste zur Begrüßung des neuen Jahres sein kann. Jetzt sind alle zuhause und jeder wartet ab, aber es gibt keine Motivation oder Begeisterung für ein Fest wie in den letzten Jahren. Es sieht aus, als würden wir den Winter und all seine Probleme vorbeigehen sehen und alles ist gut. Corona trifft das Land zum schlechtesten Zeitpunkt.”


Nourouz ist sehr wichtig für das soziale Leben im Iran. Am 20. März jeden Jahres im iranischen Kalender wird der erste Tag des Frühling im Iran und Farsi-sprachigen Gemeinschaften gefeiert. Familien reisen durchs Land und die Angestellten haben den längsten Urlaub des Jahres. Normalerweise sind die ersten 13 Tage des neuen Jahres als Urlaubstage frei und die meisten Geschäfte haben geschlossen. Aber in diesem Jahr macht der Virus die Tage noch länger bevor das nächste Jahr startet.


Menschen versuchen sich mit Masken zu schützen

Shaghayegh berichtet über ihr Leben in den vergangenen Tagen und wie sie ihre Quarantäne erlebt: “Für aktive Menschen, die gewohnt sind, geregelt zur Arbeit zu gehen, ist es nicht leicht, den ganzen Tag ohne eine sinnvolle Aufgabe zu verbringen. Wenn ich am Morgen aufwache, versuche ich zu meditieren, Bücher zu lesen, beim Kochen zu helfen und ich habe viel Zeit, mit alten Freunden zu kommunizieren, mit denen ich vor der Quarantäne nicht genügen Zeit hatte. Ich checke meine sozialen Netzwerke mehrere Male täglich und schaue Filme, wenn ich in Stimmung bin. Diese Tag erinnern mich daran, wie sehr ich es liebe, in der Sonne unter blauen Himmel zu spazieren und keine Angst zu haben.”

Shaghayegh hat sich entschlossen, zuhause zu bleiben, um eine Infektion zu vermeiden und den Virus nicht weiter zu verbreiten.


Aber es nicht der einzige Weg, wie Menschen vermeiden, krank zu werden. Die Aufforderungen der Behörden, alle wichtigen öffentlichen Plätze zu meiden, werden bei religiösen Stätten nicht beachtet – noch immer sind viele Menschen bei den Gottesdiensten. Der Ausbruch startete in Ghom, einer der wichigsten Stätten der Schiiten mit vielen Schulen und Grabmälern. Nach dem Ausbruch des Virus forderten viele Menschen, dass die Schreine geschlossen würden. Viele luden Videos in die soziale Medien hoch, wie sie Schreine mit Händen und mit ihren Gesichtern berührten, um zu zeigen, dass diese sicher sind und Corona religiöse Stätten nicht betrifft. So viele Menschen beten und viele andere reisen in andere Städte und Dörfer, wo es keine offiziellen Nachrichten über Infektionen gibt.


In den sozialen Netzwerken sind die Menschen wütend über die Regierung, die es versäumte, den Ausbruch in Ghom zu isolieren, wovon es sich ausbreitete. Sie denken, hätte die Regierung sich dazu entschlossen, die religiösen Stätten zu schließen, würden die Auswirkungen nicht so schlimm wie jetzt sein. Iran ist eines der fünf am meisten getroffenen Länder der Welt. Viele fürchten, dass der Ausbruch die Wirtschaft schaden wird, welche normalerweise rund um Nourouz boomt. Im Internet twitterte ein Nutzer: “Es ist so traurig, diese Tage zu beschreiben, wenn normalerweise viele Menschen shoppen gehen und der Bazar voller Menschen ist, aber jetzt sind die Straßen leer und still. Mein Geschäft geht bankrott, weil niemand Kleidung kauft und ich nicht mal mehr die Miete für den Laden zahlen kann.”


Eine junge Frau wird auf Fieber getestet

Andere starteten Kampagnen, damit Menschen nicht mehr reisen und Städte nicht mehr betreten, um den Virus zu meiden. Shaghayegh denkt auch, dass die Menschen die Situation verstehen sollen und nicht mehr reisen sollten. Sie erklärt: “Unser Verhalten im Kanpf gegen den Virus ist wichtig. Wenn sich niemand ändert und weiterhin alle reisen, werden wir andere Menschen schädigen. Keiner weiß, ob sie schon infiziert sind, bevor sich die ersten Anzeichen der Krankheit zeigen. Wir können alle die Infektionen weitertragen, ohne zu merken, dass wir bereits infiziert sind. So ist die Lage in unserem Land zurzeit und das ist der Grund, warum wir versuchen sollten, die Verbreitung zu begrenzen. Wir sind verantwortlich für andere. Darum habe ich beschlossen, zuhause zu bleiben, mich zu langweilen, aber mich und die Menschen, die ich liebe, vor einer Infektion zu schützen.”