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Iraks Wasserkrise: Wir wollen ein Glas Wasser für uns und unsere Kinder!

Schlechte Nachrichten sind im Zusammenhang mit dem Irak in deutschen Medien an der Tagesordnung – Berichte über Anschläge, Tote oder den iranischen Einfluss sind schließlich ein easy catch.


Weit aber von der Tagesberichterstattung bahnt sich aber eine wirkliche Katastrophe im Land an. Der Irak, das Land der zwei Flüsse und Heimat alter Hochkulturen, trocknet aus. 2030 wird der Irak fast doppelt so viele Einwohner haben wie zur Zeit der US-amerikanischen Invasion 2013. Aber schon heute bestimmt die Wasserkrise das Leben der einfachen Bürger vor allem im Süden des Landes.


Videos aus Basra konnte man sehen, dass aus den Wasserhähnen nur noch eine ungenießbare braune Brühe lief. Die Demonstrationen der dürstenden Bürger verliefen zum Teil gewalttätig, brachten aber keine effektive Linderung des Problems. Die Regierung kappte Internetverbindungen, brachten Milizen auf die Straße, die mit wilder Gewalt gegen die Menschen vorgingen und setzte Bürgerrechte außer Kraft.


Bilder aus einer anderen Zeit: Straßenszene Bagdad im Jahr 1918.

Doch warum kam es ausgerechnet im Irak zu einer Wasserkrise? Den Menschen stehen dort 25.000 Kubikmeter Wasser pro Person zur Verfügung, mehr als z.B. in Deutschland oder Frankreich, und weit mehr als in den anderen Staaten wie Saudi-Arabien, wo den Bürger rechnerisch nur 100 Kubikmeter Wasser zur Verfügung steht.

Das Problem ist grassierende Wasserverschwendung. In einem Land, das über Jahrtausende gewöhnt war, das Wasser „einfach vorhanden ist“ gab es nie Programme zum Wassersparen, nie die Bemühungen in der Landwirtschaft, Wasser sinnvoll einzusetzen und in der Bevölkerung bei Preisen für Wasser nahe Null in der Bevölkerung nie den Anreiz, mit dem Wasser sparsam umzugehen.


Dies alles führte zu einer ineffizienten Landwirtschaft, schlechter Wasserinfrastruktur und somit zu den heutigen Problemen. Millionen von Palmen ziehen Wasser aus dem Boden, Wasserreservoirs sind großflächig verseucht und nie wieder zu gebrauchen.

80 Prozent des Wassers werden in der Landwirtschaft verbraucht und jeder Iraker hat einen täglichen Verbrauch von rechnerisch fast 400 Liter – in Deutschland etwa 120 Liter!


Das Land der zwei Ströme: 1918 hatte der Irak noch doppelt so viele Palmen wie heute

Der irakischen Regierung läuft jedoch die Zeit davon. Die Wasserkrise ist ein so großes Risiko für das Land, das es unverzüglich anzugehen gilt. Leider ist davon aber nichts zu sehen. Stattdessen verkämpft sich die Politik in Streitigkeiten um den Einfluss Irans, von Stämmen und Familien, während die einfachen Menschen Durst leiden und auf den Demonstrationen verzweifelt rufen: Wir wollen ein Glas Wasser für uns und unsere Kinder!