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Irak im Kampf, die Bevölkerung zuhause zu halten

Von Sinan Salaheddin Mahmoud, Bagdad

Mangel an Bereitschaft, soziales Stigma und religiöse Eiferer haben sich als die größten Probleme für die irakische Regierung entwickelt, die mit sanften Maßnahmen versucht, den Coronavirus zu stoppen.


Der Irak hat seinen ersten Corona-Fall am 24. Februar öffentlicht gemacht, als ein iranischer Mann positiv getestet wurde. Der Iraner ist ein Student, der an der Hawza studiert, einer der berühmtesten schiitischen Einrichtungen in der südirakischen Stadt Nadschaf.

Seitdem traten weitere Fälle in verschiedenen Regionen auf, hauptsächlich bei Irakern, die aus dem Iran kamen. Ein verspäteter Bann der Regierung auf Flüge und Transport von Menschen und Gütern aus dem Iran in den Irak, wird für die Verbreitung des Virus im Land verantwortlich gemacht.


Andere Straßenszenen als in Deutschland. Bild: Sinan Salaheddin Mahmoud

Am Freitag, den 20. März, wurden bereits 208 Infektionen und 17 Tote gemeldet, am 24. März bereits 316 Infektionen und 27 Tote.

Neben anderen Maßnahmen, um die Verbreitung zu stoppen, wurden die schiitischen Schreine gesperrt und Massenveranstaltungen wie die Freitagspredigten untersagt.

Einige schiitische Kleriker unterstützen die Regierungen in ihren Bemühungen, während andere die Bemühungen als Angriff auf die schiitischen Imame verstehen und ihre Anhänger auffordern, den Maßnahmen nicht zu folgen, da gläubige Schiiten nicht infiziert werden würden.


“Wenn Imam Hussein möchte, kann ich einen Patienten auf seinen Mund küssen und ihm sagen: Infiziere mich, wenn du dich traust!”, sagt Scheich Ali Al-Simawi seinen Anhängern bei einer Trauerveranstaltung in Bezug auf den Enkel von Mohammed. Hussein ist eine der wichtigsten Figuren im schiitischen Glauben und lebte im siebten Jahrhundert.


“Vertraue in den Imam und deine Religion, ihr habt nichts anderes als Religion im Moment”, ergänzt Al-Simawi. “Ich schwöre, es gibt keine Furcht in meinem Herzen vor dieser oder anderen Seuchen.”

Er sagte seinen Gläubigen, die mit Schluchzen reagierten, das es eine Verschwörung gegen Schiiten und deren Glaubensrituale gäbe, um sie zu schwächen.

“Sie wollen uns von unserer Religion und Imam Hussein entferne”, sagt er und forderte seine Anhänger auf, keine Gebete, Schreinbesuche oder Trauerveranstaltungen zu verpassen.


Trotz einer drohenden Seuche wird weiter gefeiert. Bild: Sinan Salaheddin Mahmoud

Der Virus hat den Irak in einer Zeit erreicht, wenn Schiiten eine Reihe von religiösen Festen feiern, die normalerweise Hunderttausende Pilger zu den Schreinen im Land und Massenveranstaltungen zusammenführen.

Ein Ritual ist die Wanderung zu den Schreinen aus den verschiedenen Teilen des Land, während Freiwillige Zelte an den Straßen aufbauen, um die Gläubigen mit Essen und Getränken zu versorgen.


“Wir müssen die Botschaft zu den Bürgern bringen, die das Problem bislang nicht verstanden haben”, sagt der irakische Gesundheitsminister Jaafar Sadiq Allawi einem der hohen Geistlichen in Bagdad vor dem Jahrestag des Todes von Imam Mousa Al-Khadim, der im achten Jahrhundert lebte.


Trotz drohender Epidemie wird weiter gefeiert. Bild: Sinan S. Mahmoud

“Wenn sich der Virus wie im Iran verbreitet, Gott möge es verhüten, werden wir ihn nicht eingrenzen können”, sagt Allawi mit Bezug auf die WHO-Liste, die den Irak auf Platz 176, den Iran auf Platz 80 der leistungsfähigsten Gesundheitssystem einordnet.

“Kurz gesagt, unsere Möglichkeiten sind in allen Aspekten zu schwach...wenn wir in dieselbe Lage wie der Iran kommen, wird es für den Irak katastrophal werden”, ergänzt er. Trotz aller Warnungen und Aufrufen haben sich wieder lange Reihen von Pilgern auf den Weg gemacht und sich am 17. März zum Schrein von Imam Al-Khadim begeben, um seinen Tod zu betrauern.Irakische Gesundheitsbehörden warnen, dass sich nach den Pilgerveranstaltungen die Corona-Erkrankungen stark verbreiten können.


Die Regierung wird dadurch gezwungen, mit scharfen Strafen eine weitere Verbreitung zu verhindern. “Wir haben nichts außer Gott und die Familie der Gläubigen (Die Familie des Propheten Mohammed), sagt Jaafar Jabr Wail auf die Frage, warum er die Ausgangssperre nicht einhält, während er von Bagdad in der südlichen Provinz Kut eintrifft.“Weil wir in die zwölf Imame glauben, wird uns der Corona-Virus nicht treffen”, sagt Wail. Wir haben kein gutes Gesundheitssystem und eine Regierung, die nicht fähig ist, den Virus zu bekämpfen, sodass nur Gott und Imam Al-Khadim uns helfen können.”