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Harte Arbeit, geringer Lohn: Fischereiwirtschaft im Iran

Von Tooba Moshiri, Gilan (TM)

Fischhändler versammeln sich im Fischmarkt der Hafenstadt Kiashar in der Provinz Gilan, die an den westlichen Küsten des Kaspischen Meeres liegt und kaufen Fisch von den heimkehrenden Fischern. Bei den Auktionen und Bartern kauft derjenige, der die höchsten Preise anbietet und darf diese auf dem Fischmarkt in seiner Bude verkaufen. Der Markt ist weit weniger bevölkert als alle erwarten. Die Verkäufer schreien nicht mehr die Fischpreise mit aller Kraft und nur noch wenige putzen den Fisch für die Kunden.


Leere Buden auf dem Markt: Bild: TM

Ali Khabaz ist ein Fischverkäufer. Er ist müde und verflucht den Corona-Virus, der Besuche einschränkt und damit potenzielle Kunden abschreckt. Viele Händler kämpfen mit der schlechten Lage und der Endkundenmarkt ist am tiefsten Punkt angelangt. Ali schiebt seinen Fisch in ein Fass, öffnet seine balue Hose und sagt: “Aktuell kostet ein Fisch 50.000 Toman und ein großer Fisch rund 100.000 Toman. Der Preis hat sich gegenüber dem letzten Jahr verdoppelt. Bei jedem Fang fangen die Fischer vielleicht 10 bis 15 Fische. Es ist das Ende der Fangzeit für Knochenfische, aber der Markt ist am Boden und die Kunden weg.”


Der Generaldirektor der Fischereiwirtschaft aus Gilan sagt jedoch, dass die Fänge um sechs Porzent gesteigert wurden und hohe Erträge geliefert haben. Den Angaben nach wurden 607 Tonnen Äschen – und damit 77 Prozent der gesamten Fänge – gefangen. Weißer Fisch kam auf 440 Tonnen und Karpfen auf 11 Tonnen. Weitere 35 Tonnen waren Knochenfische anderer Art.


Harte Arbeit für Gilans Fischer. Bild: TM

Razi Akbarpour ist ein 26 Jahre alter Mann. Er sitzt auf einen Berg an Netzen auf einem Traktorgespann, das ihn und zwei andere Fischer zu ihrem Boot an der Küste bringt. Er kam aus der Stadt Khakhal nach Kiashar, um als Fischer zu arbeiten. Er nennt die Liebe zum Meer als Grund für seine Berufswahl und spricht über den Einfluss seines Vaters, der ebenfalls bis vor einigen Jahren Fischer war.


“Es ist nicht einfach, bei starkem Wind rauszufahren, bei Sturm und Regen Fisch zu fangen. Man muss es lieben. Man muss die See kennen und in jeder Situation fähig sein, Fisch zu fangen.”

Razi protestiert gegen die steigenden Kosten für die Fischer. Von Seilen und Netzen bis zum Treibstoff wird alles immer teurer. Es frustriert ihn, dass seine und die Netze seiner Kollegen meistens leer sind und kaum Fisch gefangen wird. Er schiebt es auf das Wetter und kann nichts ändern. Die Fischer rhoffen einen Verbesserung der Lage, ihnen bleibt auch nicht anderes übrig.


Natürlich gäbe es illegale Fischer, die immer mehr Fische fangen – bis hin zur Auslöschung von Fischarten. Missachtungen der Warnungen der Fischergemeinschaft und die Tatenlosigkeit der rlokalen Behörden sorgen für weiteren Rückgang der Bestände und die Lebensumstände der Fischer werden von Jahr zu Jahr schlechter.


Razi erinnert sich: “ Vor einigen Jahren waren die Lebensbedingungen für Fischer sehr gut und sie konnten ein gutes Leben führen. Aber heute müssen die Fischer immer weiter rausfahren und fangen trotzdem immer weniger.”

Das durchschnittliche Einkommen der Fischer ist heute sehr niedrig, da die Fänge kaum noch vorhergesagt werden können. Manchmal sind die Netze so schwer, dass sie kaum gehoben werden könne, manchmal so leicht, dass es keinen Grund gibt, sie einzuholen.


Khayyam Karimzadeh, Mitglied Fischervereinigung sagt: “Früher wurden fast 40 Prozent der Fänge in andere Provinzen gebracht. Heute sind es nur noch 20 Prozent, da die Fänge immer kleiner werden.”


Karimzadeh sagt auch, dass einer der Gründe für die Rückgänge der Fischbestände im Kaspischen Meer die Veränderungen der Wassertemperatur sind: “Niedrigere Wassertemepraturen bringen den Fisch dazu, nicht mehr von den Tiefen des Meeres an die Küsten zu schwimmen, wo die Fischnetze ausliegen.”


Immer öfter bleiben die Netze leer. Bild: TM

Es gibt in der Region an den Küsten des Kaspischen Meeres mehr als 220 Quellen für industrielle Verschmutzungen. Diese Verschmutzungen beinhalten unter anderem Ölprodukte, Pestizide, landwirtschaftliche Einträge, Schwerelemente und Abwässer, welche zu einer schweren Verschmutzung des Ökosystems geführt haben und die Wasserlebewesen deutlich dezimieren.


Obwohl die Fischereibetriebe in Gilan viele Anstrengungen unternommen haben, um die Fischbestände re regenerieren, haben die Verschmutzungen die Lebensdauer, die Überlebensrate und die zurückkehrenden Bestände stark verringert. Die Fischer glauben, dass die Reproduktionsrate der Fischbestände nicht ausreichend ist und fordern eine ernsthafte Lösung für das Problem.


Eine der Stärken der Fischereiwirtschaft in Gilan ist die über fünzigjährige Erfahrung in der Aquakultur mit 4100 Fischfarmen für Jungfische, 356 Kaltwasserfarmen, 46 Störfarmen und 369 Farmen für heimische Bedarfe, von denen sechs Warmwasserfischfarmen sind, elf für Kaltwasserfische und sechs für Störfarmen mit einer Kapazität von 200.000 Jungfischen. Sie sind damit unter den führenden Fischfarmen des Landes.


Im Bereich der Aquakulturen sind die Farmen aus Gilan mit 46 Störfarmen an erster Stelle im Kand und bei der Produktion der Warmwasserfische steht Gilan ebenfalls an erster Stelle. Jedes Jahr gehen die über 4000 Fischer von Astara bis Chabaksar mit Beginn der Saison am 20. Oktober auf ihre Boote und fangen bis April Fische an der Küste der Provinz.