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Gewalt gegen Frauen: Auswanderung als Befreiung

Von Tooba Moshiri, Iran (TM)


Nach Angaben der iranischen Wohlfahrtsorganisation sind mehr als 60% der iranischen Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Physikalischer und psychologischer Missbrauch durch Männer ist weit verbreitet in iranischen Haushalten. Das tägliche Leben von Frauen war schon immer Gegenstand von Diskriminierung sgesetzen in der iranischen Gesellschaft und in vielen Fällen haben sie weniger Rechte als Männer. Zum Beispiel, das Recht, sich scheiden zu lassen, ist bisher nur Männern vorbehalten. Oder das Kopfgeld auf Mörder von Frauen ist weniger hoch, als das bei Männern. Auch die Töchter müssen laut dem Recht ihre Hälfte des Erbes des Vaters mit ihren Brüdern teilen. Frauen ist es weiterhin verboten, einen Pass ohne die Zustimmung des Vaters oder Mannes zu beantragen.

Rund 60 Prozent aller Frauen erleiden Gewalt in ihrem Leben. Bild: TM

All diese Fakten führten dazu, dass junge Mädchen sich dazu entschieden haben, diese Ungleichheiten zu beenden während die wachsen, sich ihrer Umwelt bewusster werden und die Welt um sie herum wahrnehmen. Und in vielen Fällen ist es der einfachste und sicherste Weg, im Ausland zu studieren. Ihre Väter würden Gründe sehen, und mit ein wenig Aufwand von ihnen selbst und mit Aufmerksamkeit von einer der ausländischen Universitäten haben sie die Möglichkeit ihr Leben für immer selbst zu kontrollieren.


Sahar Miri ist 28 Jahre alt und lebt seit über einem Jahr in Italien. Sie studiert an der Universität Mailand, auch wenn die Bildung nicht der Hauptgrund war, warum sie nach Europa zog:“Als ich im Iran war, durfte ich wegen meines Vaters nicht viel raus. Ich konnte über die zeit nicht bei Freunden schlafen oder sonst wo, nur zuhause. Auch in den Urlaub zu fahren oder Trips in anderen Städte mit Freunden oder alleine waren keine Optionen für mich. Ich konnte meinen Freund nicht meiner Familie vorstellen, sie wussten nicht einmal, dass er existiert. Über all dem drängten sie mich dazu, zu heiraten. Daher habe ich mich entschieden, das Land zu verlassen und sagte meienm Vater es sei für die Bildung uns so begann ich mein angenehmeres und stressfreieres Leben für mich selbst.”


Sahar war 20, als sie von der Polizei wegen ihres Hijab verhaftet wurde. Sie wurde aufgefordert ihren Vater anzurufen, was darin endete, dass sie einige Tage nicht zur Uni gehen durfte. Außerdem wurde ihr für zehn Tage das Handy abgenommen.


Sie erklärt die Gründe, die der Vater in dem Moment gehabt haben muss: “Er war sauer, nicht darüber was ich trug, was manchmal sehr leger war und ich mich schon gewundert habe, warum da nicht die Politzei kam, sondern er dachte es sei ein zeichen mangelnden Respekts seines Namens und seines Rufes, wenn jemand anruft und sagt, die Tochter sei verhaftet worden. Er kann keine Fehler seiner Tochter akzeptieren.”


Ein Akt des Widerstands: Kein Schleier. Bild: TM

Die Erlaubnis, das Land zu verlassen, von Vater zu bekommen, war nicht einfach, aber sie glaubt, dass iranische Väter sich eine bessere Zukunft außerhalb des Iran für ihre Kinder vorstellen können. Das ist der Grund, weshalb es letzlich einfach war, zu gehen.


Akram Mirasi ist ein anderes Mädchen, was zugibt, dass ihre Immgration nach Belgien aufgrund von Diskriminierungen im iranischen Recht gegen Frauen erfolgt ist. Sie lebte in einem Dorf nahe der Stadt Izeh, als sie gezwungen wurde, einen 30-Jährigen im Alter von 16 jahren zu heiraten. Sie zogen nach Isfahan, wo sie über Jahre physisch und psychisch missbraucht wurde.


Nun ist sie 30 Jahre alt, ist getrennt von ihrem Ex-Mann seit drei Jahren und lebt und studiert seit eineinhalb Jahren in Brüssel. Für sie ist es schwer, Zugang zu ausländischen Universitäten zu erhalten, da sie älter ist und ohne finanzielle Unterstützung da steht, aber sie hatte Glück und fand Leute, die von der gleichen Uni kamen und ihr bei diesem Prozess halfen, ihn einfacher zu machen.Nach einigen Versuchen, die erfolglos verliefen, hat sie dann ihre Scheidung erreicht, mit der Hilfe einer ihrer Nachbarn, der die konstanten Kämpfe und Argumente dagegen einfach überhört hatte. Sie war die zweite Frau ihres Mannes und er war für eine lange zeit Opium-süchtig.


Es nahm viel Zeit in Anspruch, den Richter zu überzeugen, aber sie hat es geschafft und der Richter setze fest: “Grundsätzlich ist das Recht der Scheidung im Iran den Männern vorbehalten, es sei sei denn, anderes ist vorehelich vereinbart. Ich hatte so etwas nicht, weil meine Ehe traditionell geschlossen wurde.”


Mehrokh Valadbeigi ist ein weiteres Mädchen, das unter der häuslichen gewalt ihres Vaters gelitten hat. Aber sie hat es geschafft, das Land zu wechseln und versucht ihren Vater zu überzeugen, ihr einen Pass zu beantragen. Sie ist nicht das einzige Opfer in der Familie. Auch ihr Bruder und ihre Mutter werden vom vater geschlagen.Mehrokh plant, Fotografie in Europa zu studieren, studiert gegenwärtig allerdings in Teheran in einem anderen Bereich. Ihrer Familie geht es wirtschaftlich nicht gut.


Studium im Ausland ist oft die Rettung für junge Frauen. Bild: TM

Auch wenn der Vater ihrem Umzug zustimmt, muss sie eine Universität finden, die all ihre Bedürfnisse abdeckt. Sie glaubt, dass vor ihr viele verschlossene Türen liegen:“Allles ist möglich mit Geld. Mein Vater würde zustimmen und die Uni würde mich akzeptieren. Aber die gleichen Probleme die mich vom Studium im Ausland abhalten, sind der Grund für die häusliche gewalt in der Familie. Ein knurrender Magen kann eine Kultur zum Schlchten wenden. Ich bin ein Opfer dieses traurigen Schicksals . Ich dulde nicht, dass es zu Gewalttätigkeiten kommt, aber ich sehe meinen Vater nicht als jemand der sein Verstand verliert. Es gibt viele Dinge, die Druck auf einen aufbauen. Und ich als Mädchen habe doppelten Druck.”


Nach Angaben der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2017, ist eine Zahl von 2 699 000 registrierten iranischen Immigranten in der daten Basis. 72% davon haben eine höhere Bildung und 61% der iranischen Immigranten haben spezialisierte Jobs. Wenn man das Alter, das Geschlecht und die Bildung als wichtige Faktoren der Persönlichkeit berücksichtigt, ist die Alterspyramide der iranischen Immigranten im Ausland im Jahr 2017 älter geworden und im Vergleich zu 2015 ist der Anteil von immigrierenden Frau signifikant gestiegen.