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Ein Mahdi für alle Fälle: Messias-Komplex auf arabisch

Aktualisiert: 5. Juni 2019

Im Islam ist der Mahdi der Messias, der vor dem Endgericht erscheint und die Welt in gut und böse richtet, die Welt von Tyrannei und Ungerechtigkeit reinigt.

Aus christlicher Sicht also altbekannt und nichts Neues. Wie auch im Christentum gab und gibt es immer wieder - nennen wir sie verirrte Seelen - Menschen, die von sich selbst glauben, sie wären der Messias.

Das im Christentum auch im Zusammenhang mit dem Jerusalem-Komplex bekannte Muster hat bei den Muslimen seit Mohammed immer wieder für manchmal amüsante, oft aber traurige Geschichten gesorgt.


Hier ein "Best of":


Muhammad ibn al-Hasan al-Mahdi (869-x)

Für die Zwölferschiiten ist er die zentrale Figur: Als letzer Nachkomme der Reihe der legitimen Anführer der Gläubigen bei den Zwölferschiiten lebt er derzeit in der Zeit der EntrückungXXXX und wird am Ende der Zeiten Friede und Gerechtigkeit auf die Erde bringen.

Seine elf Vorfahren wurden zum Teil grausamst von den Sunniten verfolgt, gedemütigt, eingekerkert und ermodert. Daher liegt die ganze Hoffnung der Schiiten auf dem letzten der Imame, der alle Demütigungen und Verfolgungen beenden wird. Bis dahin bleibt er vor seinen Verfolgern versteckt, um nicht wie seine Vorfahren zu enden.


Muhammad bin Abdallah al-Qahtani (1935-1980)

Einer der berüchtigsten Mahdis der letzten Jahrzehnte: Sein Schwager Juhayman al-Otaibi besetzte mit über 200 Extremisten die Große Moschee in Mekka im November 1979 und erklärte al-Qahtani zu Mahdi.

Ihr Ziel war der Sturz des saudischen Königshauses und die Errichtung eines Gottesstaates. Nach erbarmungslosen Kämpfen am heiligsten Ort der Muslime mussten schließlich französische Spezialeinheiten zu Hilfe kommen

und den Aufstand niederschlagen. Genaue Zahlen über die Anzahl der Tote gibts es nicht, es ist aber von einer vierstelligen Zahl auszugehen. Wie fast alle Mahdis zuvor hatte auch al-Qahtani kein Glück und wurde Anfang 1980 getötet.


Muhammad Ahmad (1844-1885)

Einer der bekanntesten Mahdis: Ahmad erklärte sich im Jahr 1881 im Sudan zum Mahdi und begann mit einer anfangs sehr erfolgreichen Kampagne gegen die britischen Herrscher des Sudan.

Für die Briten ein Schock, konnte er doch sogar die Hauptstadt Khartum einnehmen und halten. Ahmad selbst starb jedoch kurz danach. Sein Nachfolger Abdallah konnte sich noch einige Jahre halten,

bis das Mahdi-Reich im Sudan in der berühmten Schlacht von Omdurman 1898 endete.


Wallace D. Fard Muhammad (ca. 1877-1934)

Ein Mahdi aus den USA? Ja, das gibt es! Wallace D. Fard Muhammad gründete die aus Afro-Amerikanern bestehende "Nation of Islam" im Juli 1930 in Detroit. Seine Sekte, die bis heute einen anti-weißen Rassismus pflegt, aber dennoch einige Anhänger unter den

Afroamerikanern der USA finden konnte, hält ihn für den Messias des Judentums und gleichzeitig auch den islamischen Mahdi.


Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908)

Ahmad behauptete im späten 19. Jahrhundert in britischen Königreich Indien, dass er der Mahdi und der zum zweiten Mal erscheinende Jesus sei.

Auf dieser Basis gründete er mit seinen Anhängern die Ahmadiyya, die sich schließlich weltweit ausbreiten konnte. Vom Mainstram-Islam wird die Ahmadiyya nicht als islamisch gesehen.


Ali Muhammad Shirazi (1819-1850)

Noch ein Glaubensgründer: Shirazi behauptete im Jahre 1844, der Mahdi zu sein, fand zahlreiche Anhänger und gründete seinen neuen Glauben, den Babismus. Er selbst endete vor einem Erschießungskommando in Täbris, da die Herrscher des Iran in ihm eine Gefahr für das Reich sahen.

Seine Ideen führten bei seinem "Nachfolger" Baha'u'llah zur Entwicklung einer neuen Religion, der Bahai. Shirazi liegt heute im Grab im berühmten Bahai-Heiligtum in Haifa, da seine Gläubigen in den meisten islamischen Ländern

grausam verfolgt werden.


Er kommt aus dem Dunklen, um das Licht in die Welt zu bringen. Oder auch nicht. Dann warten Tod oder Gefängnis.