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Die Wirtschaftsmacht der iranischen Revolutionsgarden

Die Revolutionsgarden wurden 1979 nach dem Sturz des Schah gegründet, um eine neue revolutionäre Armee und Polizei in Einem zu gründen. Dies folgt dem Muster aller autokratischen Staaten, die die alten Organisationen mit neuen, ideologisch begründeten Organisationen ersetzen möchten. So gab es in der Nazi-Zeit neben der regulären Polizei die Gestapo, in den kommunistischen Staaten die Staatssicherheit und im postrevolutionären Iran die Revolutionsgarden, die nach kurzer Zeit die wahre sicherheitspolitische Macht übernahmen.


Revolutionsgarden wie sie im Westen bekannt sind

Heute sind die Revolutionsgarden mit einer Stärke von rund 125.000 Mann die wahre Armee. Dazu kommen viele weitere Tausend Milizen der Basidsch, die als Freiwilligenorganisation die Polizei ersetzen kann. Aber nicht nur im sicherheitspolitischen Bereich haben die Revolutionsgarden die Macht im Iran übernommen. Während des Krieges 1980-89 gegen den Irak begannen die Revolutionsgarden auch zunehmend nichtmilitärische Aufgaben zu übernehmen.


Die Revolutionsgarden waren nicht nur für ihre Einsatzfähigkeit und Opferbereitschaft an der Front berüchtigt, sondern auch für ihren Einsatz hinter der Front. Sie bauten Straßen und Kasernen, reparierten Brücken und Infrastruktur, bauten Flughäfen und maritime Einrichtungen. Nach dem Krieg verkündete der Revolutionsführer, dass die Revolutionsgarden ihre Fähigkeiten nun auch zum Wiederaufbau des Landes einsetzen sollten.


Aus den Baubrigaden der Revolutionsgarden entstand das Bauunternehmen „Siegel des Propheten“, der sich mit der Zeit zu einem Mischkonzern mit heute über 800 Unternehmen entwickelte. Daneben wurde auch die Stiftung des Schah (Pahlawi-Stiftung) übernommen und umgewandelt. Die Stiftung wurde in eine revolutionäre Organisation umgewandelt und bekam den Namen „Stiftung der Unterdrückten und Invaliden“. Die Stiftung besitzt heute mehr als 160 Unternehmen in elf Holdings. Was entscheidend ist: Beide Einrichtungen unterstehen direkt dem Revolutionsführer und bilden die wirtschaftliche Macht der Revolutionsgarden.


Die Stiftung und das Bauunternehmen kontrollieren heute mehr als 20 Prozent der iranischen Wirtschaft. Einen weiteren Schub bekamen die Revolutionsgarden, als mit Ahmadinejad ein ehemaliger Revolutionsgardist die Macht übernahm. In „Privatisierungen“ wurden ehemals staatliche Unternehmen formal privatisiert, faktisch aber der Macht der Revolutionsgarden übergeben. Heute kontrollieren die Revolutionsgarden somit alle wichtigen Industriezweige, das Baugewerbe, Telekommunikation und sind in viele Skandale im Land verwickelt. Viele sehen in den Revolutionsgarden heute eher eine Mafia als eine revolutionäre Organisation.


Gleichwohl steht diese Mafia unter massivem Druck: Der Hass der Bevölkerung auf die Revolutionsgarden ist groß und die Einstufung der Revolutionsgarden als terroristische Organisation durch die US-Regierung stellt viele Unternehmen vor große Probleme. Finanzwege wurden geschlossen, Geschäfte abgesagt und die Sanktionen tun ihr übriges. Dennoch konnten sich die Revolutionsgarden mit ihren Unternehmen bis heute eine nicht zu greifende Macht im Iran aufbauen – größer, als es der Schah je hatte.