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Die Vernichtung der iranischen Linken 1983

Die Rolle Großbritanniens in der Geschichte des Iran ist wenig ruhmvoll. Kolonialismus und kalte Machtausübung, Kampf gegen den unabhängigen Ministerpräsidenten Mossadegh und die Ausbeutung der iranischen Ressourcen.


Generalsekretär Noureddin und Maryam Firouz

Jüngere Berichte fügen diesem einen weiteren neuen Punkt hinzu: Die Vernichtung der iranischen Linken mit Hilfe Großbritanniens. Die Tudeh-Partei konnte sich in den Anfangsjahren des Khomenei-Regimes relativ gut mit dem Staat arrangieren. Dies änderte sich im Jahr 1983 als der Iran mit einer Vernichtungskampagne begann, die mehr als 200 Menschen das Leben kostete. Höhepunkt war das „Geständnis“ des des Tudeh-Generalsekretärs Nourdeddin Kianouri im Fernsehen des Landes, in dem er eine Arbeit für die Sowjets und gegen das iranische Volk „gestand“.


Wer denkt, das sei lediglich eine inneriranische Angelegenheit gewesen der irrt, wie ein Bericht des südafrikanischen Daily Maverick zeigt. Denn es war der Kalte Krieg. Aus diesem Grund gaben die Briten Informationen über mögliche Kontakte der Sowjets zur Tudeh, die sie von einem sowjetischen Überläufer erhalten hatten, über Umwege an das neue Regime in Teheran. Dabei sollen nicht nur der Kampf gegen die Sowjets eine Rolle gespielt haben, sondern auch eine Veränderung der Politik Großbritanniens. Sie wollten sich mit den neuen Machthabern gut stellen und halfen so, innenpolitische Gegner Teherans auszuschalten. Außerdem bestand ein „wichtiger Teil unserer Arbeit [...] darin, die britischen Geschäftsbeziehungen zum Iran aufrechtzuerhalten und den Export zu befördern", erklärte der hochrangige Beamte im Außenministerium Nicholas Barrington in seinen Memoiren, wie der Daily Maverick zitiert.

Der Bericht sagt weiter, dass aber auch die Sowjets kein Interesse an der Erhaltung der Tudeh gezeigt hätten. So wird ein Brief Barringtons aus dem Jahr 1982 zitiert, in dem erklärt wird, dass Moskau die Tudeh aufgeben werde.


Ein Bild aus besseren Zeiten der Tudeh: Versammlung in Teheran 1953

Wie auch immer die Geschichte genau abgelaufen ist, wird sich wohl erst zeigen, wenn auch iranische Archive frei zugänglich sind. Eines ist aber sicher: Mit der Verfolgung und Vernichtung der Tudeh konnte das Regime einen starken möglichen Gegner aus dem Weg räumen und die Macht ausbauen.