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Die Presse begegnet ihrer eigenen Cororona Krise

Von Helia A. (HA), Iran

Die Branchenpresse im Iran sah sich immer mit beispiellosen Herausforderungen konfrontiert. Seit Entstehung sozialer Medien fungierte die Druckpresse nicht länger wie zuvor und die Menschen gelangen nun anstelle von gedruckten Medien über soziale Medien an Nachrichten. Der wichtigeste Aspekt ist, dass Nachrichten und Informationen in Echtzeit digital verbreitet werden können und die Menschen nicht mehr bis zum nächsten Tag warten müssen, um informiert zu sein.


Kein Papier und Corona: Medien in der Krise. Bild: HA

Auch Meinungen und Analysen über verschiedene Ereignisse werden schnell verbreitet und geteilt. Die Geschwindigkeit der Verbreitung von Nachrichten und Informationen hängt maßgeblich mit dem Erfolg von sozialen Medien zusammen. Diese bieten zudem die Möglichkeit, Nachrichten und Informationen sowie Analysen über soziale und politische Themen und Ereignisse aus dem Blickwinkel sozialer und politischer Randgruppen zu veröffentlichen.


Aufgrund der Bedeutung und Stellung der Druckpresse im Iran, sind soziale Medien das einzige Mittel des Individuums, das Monopol des Staates zu brechen und den Top-Down Kurs des Landes zu hinterfragen, wobei eine senkrechte Struktur auch die Mainstream-Medien charakterisiert. Zeitungen können nicht länger auf einem traditionellen Ansatz fußen, sondern müssen sich entwickeln. Das ist eine große internationale Herausforderung für die gedruckten Medien und dieser Tage kann über den Globus hinweg beobachtet werden, wie Zeitungen stillgelegt werden. Diese Schließung von traditionellen Medienplattformen wird den steigenden Kosten, der sinkenden Auflage, einer armen Leserschaft und fallenden Einnahmen zugeschrieben.


Druckmedien wurden weltweit dazu gezwungen, ihre herkömmliche Plattform aufzugeben oder weiterzuentwickeln.Dazu kommt das Problem, dass die hohen Kosten für Papier im Iran ein weiterer Grund für die Stagnation der Druckmedien ist. Seit 2010 ist der Papierpreis tagtäglich kontinuierlich gestiegen, was viele Probleme in der entsprechenden Industrie verursacht hat. Die hohen Papierkosten und der Mangel an Papier auf dem Markt haben Veröffentlichungen verhindert und eine rückläufige Nachfrage sowie höhere Preise für Bücher, Magazine und Zeitungen verursacht.Auf der anderen Seite wurde die Situation verschlimmert, als Sanktionen verhängt wurden und der Wert des Dollars gestiegen ist, was zu einem Anstieg der Preise vieler erforderlicher und essenzieller Produkte für die Menschen geführt hat, die gezwungen wurden, kulturelle Produkte wieder aus ihrem Einkaufswagen herauszunehmen. Diese Entwicklung stellt eine große Bedrohung für die Kultur des Landes dar. Trotz all dieser Probleme hat die Presse versucht, ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. Aber wie viele andere Dinge auch, hat Covid-19 die Medienindustrie verändert.Iranische Zeitungen wurden aufgrund der Frühlingsferien geschlossen.


Danach verbot die Regierung das Drucken von allen Printmedien und kündigte an, die Schlißungen würden aufgrund des Corona-Virus lange anhalten, um eine weiteren Ausbruch zu verhinderen. Ein Dekret, welches vom Nationalen Zentrum für den Kampf gegen das Corona-Virus ausgegeben wurde und die Schließungen angeordnet hatte, zwang die Zeitungen den Druck bis zum Ende der Einschränkungen auszusetzen. Während der Iran zwischenzeitlich seine gedruckten Zeitungen verloren hatte, trafen einige Manager von Tageszeitungen die Vereinabrung, die digitale Version der Zeitungen zu veröffentlichen. Aber nachdem die Büros wieder öffnen durften und die Einschränkungen wegen der Rezession gelockert wurden, lief der Druck von den Zeitungen wieder an.Doch das Corona-Virus ist nicht die einzige Krise, mit der die Presse zu kämpfen hat.Forough ist die Herausgeberin eines Magazines im Iran. Sie war für viele Jahre Journalistin und ist seit nunmehr 10 Jahren die Herausgeberin des Magazins. Sie wurde unzählige Male gebeten, Berichte zu veröffentlichen und zweimal wurde ihr Magazin verboten, aber sie konnte die Arbeit immer wieder aufnehmen.


Druckerzeugnisse aller Art haben Schwierigkeiten. Bild: HA

Sie erklärt die Stellung des Magazins und sagt, “das Magazin hatte zwei Jahre mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und letztes Jahr konnte 10 Monate nichts veröffentlicht werden, da es finanzielle Schwierigkeiten gab. Wir hatten einen Sponsor, jedoch musste dieses Unternehmen wegen der verhängten Sanktionen schließen. Es war großes Pech für uns. Natürlich wäre dies früher oder später passiert, weil die Printmedien dieser Tage weniger populär sind, als die im digitalen Raum. Dadurch ist es weniger wirtschaftlich für Unternehmen und Organisationen, in gedruckten Medien Werbungen zu schalten. Aber trotz der strikten Bedingungen haben wir uns entschieden, das Magazin in einem neuen Layout und neuer Form zu veröffentlichen. Letztes Jahr haben wir drei Themen veröffentlicht. Ich erinnere mich daran, dass das dritte Thema mit dem iranweiten Internetausfall zusammengefallen ist, genau zu der Zeit, als wir Aufmerksamkeit für unser Thema benötigten, um Geld zu verdienen, wenn auch begrenzt. Und das vierte Thema, welches vor den Frühlingsferien veröffentlicht wurde, fiel mit der Corona-Pandemie zusammen.”


An dem Tag, an dem die Nachricht von der Pandemie im Iran das erste Mal verbreitet wurde, waren manche Magazine bereit für den Vertrieb, bei anderen war der Inhalte fertig und es wurde an der Herausgabe des Magazins gearbeitet. Wussten die Herausgeber, was zu tun war? Sollten sie das Magazin veröffentlichen oder nicht? Eigentlich überall wurde geschlossen und das Perische Neujahrsfest rückte näher, manche arbeiteten an diesem Thema.


Sie sagte: “ In der Tat, wir dachten bald würde alles wieder normal werden. Aber letztlich haben wir uns entschieden, zu drucken und zu veröffentlichen, weil wir dachten, man würde in der Quarantäne lesen und sich so die Zeit zu füllen. Als erstes haben wir die Magazine verpackt. Diese wurde ausschließlich in namenhaften Buchläden verkauft und wir gaben die Magazine wegen der Luftverschmutzung und des hohen Verkehrsaufkommens nicht an Zeitungsstände. Wir haben durchgehend in den sozialen Medien geschrieben, wie lange sich das Virus auf Oberflächen hält, insbesondere auf Papier. Aber nichts davon half. Wir konnten nicht genug verkaufen.


Die Menschen haben Angst, das Virus zu bekommen, viele von ihnen sind arbeitslos und haben kein Geld, kulturelle Güter zu kaufen, sie müssen ihr Geld für lebensnotwendige Grundbedarfsmittel ausgegeben. Die Presse ist unter Druck als Werbeplattform. Sie streichen Arbeitsplätze, Arbeitsstunden und kürzen Löhne und senken die Auflage, müssen teilweise sogar ganz schließen.

Wir sind in Sorge, dass die nächste Rezession die Aussterbensrate von Zeitungen und anderen Veröffentlichungen weiter erhöht.”


Auf der anderen Seite, abseits der nicht verkauften Magazine und den hohen Kosten für Papier nach Corona, glaubt sie, dass es sehr riskant ist, in dieser Situation in diesem Bereich zu arbeiten. Sie sagt: “Abhängig von den Bedingungen, wie können wir die Autoren fragen, sich selbst in eine riskante Situation zu begeben, ihr Haus zu verlassen, um einen Bericht vorzubereiten? Auch viele Orte, wie Bibliotheken und kulturelle Zentren sind geschlossen und werden keine Zugänge zu Ressourcen schaffen können. Auf dieser Grundlage können wir keine Inhalte für das Magazin generieren.”


Sie ist, wie alle anderen auch, die in diesem Bereich arbeiten, sehr durcheinander und enttäuscht. Sie haben jahrelang dafür gekämpft, die Presse im Land am Leben zu halten, sie haben allen möglichen Problemen standgehalten und nun wissen sie nicht, wie es um sie geschieht.