• Redaktion

Die Munition des Teufels: Depleted Uranium und ihr Einsatz im Nahen Osten

Depleted Uranium (DU) ist geradezu ein Wunderwerk moderner Waffenkunst. Projektile, die mit DU verstärkt sind, dringen mit dreifacher Durchschlagskraft durch Panzerungen aller Art. Selbst Panzer werden von DU-Geschossen pulverisiert. DU ist besonders dicht und daher extrem fest. Seine Wirkung verstärkt die Wirkung herkömmlicher Geschosse und macht sie daher zu einer beliebten Waffe insbesondere in den Arsenalen der US-amerikanischen Streitkräfte.


Zerstörter irakischer T-55 Panzer im Frühjahr 1991

In einem Sonderheft der Le Monde Diplomatique wird die Wirkung wie folgt beschrieben: „Glühender Uranstaub reagiert explosionsartig mit dem Sauerstoff im Inneren des Panzers. Eine Flammenwalze mit einer Temperatur von bis zu 5000 Grad Celsius lässt den Angstschrei der Besatzung im Bruchteil einer Sekunde verstummen. Zwei Sekunden lang ist es totenstill. Dann erfasst das Feuer die mitgeführte Munition im Panzer. Eine heftige Explosion trennt den Turm vom Rest des Panzers. Die Feuersäule, die steil in den Himmel steigt, ist blauschwarz.“ Der erste Einsatz dieser überharten Munition fand im Golfkrieg 1991 statt. Mindestens 320 Tonnen DU-Munition wurden durch die US-amerikanischen und britischen Streitkräfte verwendet, um die irakischen Invasoren aus Kuwait zu vertreiben und im Irak weitgehend zu vernichten. Gegen die DU-Munition hatten die irakischen Panzer aus sowjetischer Herstellung keine Chance. Zu Dutzenden wurden sie von den US-amerikanischen A10 in Stücke geschossen.



DU-Munition ist ein Abfallprodukt der Urananreicherung für Atomwaffen und Atomkraftwerke. Auf der Erde kommt Uran hauptsächlich als Uran-238 vor, für Atomwaffen und Atomkraftwerke wird jedoch U-235 benötigt, das zu einer Kettenreaktion fähig ist. Für die Nutzung wird im Uranerz der Anteil von U-235 auf drei bis fünf Prozent für Atomkraftwerke erhöht, für Nuklearwaffen auf bis zu 85 Prozent. Als Abfall bleibt abgereichertes Uran übrig, das fast ausschließlich aus U-238 besteht. Dieser Abfall ist wiederum Gold für die Waffenproduzenten in aller Welt. Abgereichertes Uran wird als Ummantelung für die Munition benutzt, die Panzer wie Butter durchschneiden lässt. Dieser Wirksamkeit und die Erfolge im Golfkrieg von 1991 führten dazu, dass DU-Munition auch in Bosnien 1995 (drei Tonnen), 1999 in Serbien und im Kosovo (9,5 Tonnen) und 2003 im Irak-Krieg (145 Tonnen) eingesetzt wurde.



Auch in Afghanistan, Somalia und Syrien sowie möglicherweise in Libyen wurde die DU-Munition verwendet. Für die Umwelt und Menschen in den betroffenen Ländern ist der Einsatz der DU-Munition eine Katastrophe: Das Uran hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Das bedeutet, dass die Munition auf ewig Mensch und Natur verstrahlt. Verschärfend kommt hinzu, dass die Munition und die Ziele in Milliarden kleinster Teile zerspringen und die betroffene Natur nicht gereinigt werden kann. Die Nanopartikel geraten in die Lungen der Menschen, in die Organe der Tiere und in jeden Winkel der Natur, vor allem auch ins Grundwasser, wo sie die Lebensgrundlage von Millionen Menschen verstrahlen. Gerade im Nahen und Mittleren Osten sind die Grundwasservorkommen und die Umwelt unter starkem Stress, durch Überbevölkerung, Verschmutzung und Raubbau an der Natur. Auch die Soldaten leiden unter dem Einsatz der Munition. Die im Golfkrieg von 1991 eingesetzten Soldaten leiden bis heute unter den Spätfolgen der Munition. Viele von ihnen sind an Krebs erkrankt und gestorben – das bekannte „Golfkriegssyndrom“.