• Redaktion

Der Widerstand ist zurück: Ägypten Jugend kämpft wieder

Ein Mann mit dem Allerweltsnamen Mohammed Ali ist derzeit Präsident Sisis größtes Problem. Lang ein weitgehend unbekannter Schauspieler und Bauunternehmer – diese Mischung gibt es wohl nur in Ägypten – floh Ali vor einigen Wochen nach Ägypten und veröffentlichte ab Anfang September auf seiner Facebook-Seite Mohammed Ali Secrets Videos, in denen er das Regime von Sisi nach allen Regeln der Kunst demaskiert.


In seinen Videos prangert er Regierung und Armee an, beschreibt die Korruption und Verschwendung des Staates. Woher er das weiß? Nun, Ali war selbst lange Teil des Systems. Er baute für das Regime einen neuen Präsidentenpalast, ein neues Luxushotel und verwirklichte weitere Großprojekte. Bei einem dieser Projekte überwarf er sich offenbar mit dem Regime, der er vorwirft, dass es ihm Geld schulde. Seitdem veröffentlicht er detaillierte Insider-Infos über die Machenschaften und die Hintergründe der Korruption. Am 20. September schließlich rief er die Ägypter zum Protest auf – und die Ägypter kamen. Tausende versammelten sich und riefen Parolen, die politischen Beobachtern sehr bekannt vorwarfen, waren sie doch die gleichen Parolen, die schon Mubarak und Mursi hinwegfegten:


Hau ab! Das Volk will den Sturz des Regimes!

Und in der Tat hat sich für die Ägypter nur wenig verbessert, viel sogar verschlechtert. Die wirtschaftlichen Nöte des Landes sind immens. Als Reaktion auf die Proteste machte das Regime, was es am besten kann. Es reagierte mit Repression, Drohungen und Nichtbeachtung.



Die staatlichen Medien berichten gar nicht über die Proteste und willige Journalisten und Medienmacher berichteten stattdessen über mysteriöse Kräfte aus dem Ausland, von den Muslimbrüdern oder anderen angeblichen Bedrohungen für den Staat. Nach Meinung unabhängiger Beobachter ist der Fall Ali jedoch weitaus interessanter. Seine umfassenden Kenntnisse über die Machenschaften des Regimes deuten darauf hin, dass er ein Insider ist oder mit Insider-Infos gefüttert wird. Für Sisi bedeutet dies, dass seine Elite nicht mehr dichthält, dass er Feinde in seiner Machtschicht hat – und das ist das wirkliche Problem für Sisi. So fiel schließlich auch Mubarak.