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Das Chamäleon: Wer ist Adil Abdul Madhi?

Aktualisiert: 11. Juli 2019

Seit Ende Oktober hat der Irak einen neuen Ministerpräsidenten - nach einem quälend langen Prozess, um die verschiedenen Grupperierungen unter einen Hut zu bringen.

Doch wer ist der Neue?


Der Neue: Adil Abd al-Mahdi

Mahdi hat einen langen Weg voller Windungen hinter sich:

1942 in Bagdad geboren, entstammt er einer politischen Familie. Der Vater kämpfte gegen die britischen Besatzer und war später Minister unter König Faisal.

Mahdi selbst war bereits in jungen Jahren Mitglied der Baath-Partei, überwarf sich mit dieser und floh 1969 nach Folter und einem drohenden Todesurteil nach Frankreich, wo er auf arabisch und französisch politische Artikel verfasste und in der Exil-Opposition aktiv war.

In den 1970er Jahren schloss sich Mahdi nach einem kurzen Gastspiel bei einer maoistischen Gruppierung dann der nächsten Partei an: Der Kommunistischen Partei des Irak. Nach innerparteilichen Streitigkeiten, die in der Spaltung der Partei resultierten, schloss sich Mahdi dem radikalen Flügel der KP an.


In den 1980er Jahren folgte der nächste Wandel: Enttäuscht vom Panarabismus und den linken Parteien wandte sich Mahdi - wohl auch unter dem Eindruck eines Treffens mit Khomenei - schiitisch-islamischen Ideen an. Er wurde Gründungsmitglied der Vorgängerorganisation des heutigen Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq, der einflussreichen, vom Iran geprägten islamistischen Partei der irakischen Schiiten.

Nach dem Sturz Saddam Husseins gehörte Mahdi der verfassungsgebenden Versammlung an - und konnte sich als Politiker profilieren, der den Kompromiss über den Rang der Scharia als eine, aber nicht alleinige Gesetzesquelle, formulierte. Anschließend war Madhi kurzzeitig Finanzminister, Vizeministerpräsident und unter Abadi Ölminister. Frustriert vom Scheitern seiner Reformvorhaben zog er sich 2016 aus der Politik und seiner Partei zurück.


Anschließend folgte seine letzte Wandlung: Durch kluge Kommentare und Analysen konnte er sich in den folgenden Jahren als Reformer profilieren, bis er 2018 schließlich ganz oben landete: Als Ministerpräsident des Irak, auf dem die Hoffnungen der Koalition, der irakischen Bürger und des Auslands liegen, um den Irak nach Krieg und Bürgerkrieg zu befrieden und wirtschaftlich wiederaufzubauen.


Noch ist aber nicht klar, was Mahdi wirklich ist: Ein Chamäleon, der sich den jeweils vielversprechendsten Gruppen angeschlossen hat oder ein gewiefter Reformer, der in seinem Leben von Rot nach Grün und jetzt in die "Goldene Mitte" gewandert ist und ein ehrliches Interesse an pragmatischen Lösungen zeigt - wobei letzteres wahrscheinlich ist und Hoffnung für das geschundene Land birgt.