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Das Archiv der Revolution

Im Westen weitestgehend unbekannt hat eine ägyptische Oppositionsgruppe eine Internet-Seite eingerichtet, die die Aufstände der ägyptischen Revolution von 2011 und 2012 in bemerkenswerter Art und Weise dokumentiert.



Auf der Seite www.858.ma sammeln Medienaktivisten Videomaterial, um der staatlichen Propaganda Fakten und eine alternative Sichtweise entgegenzusetzen. Bislang umfasst das Material 858 Stunden, also mehr als 35 Tage, und entstammt zumeist aus den Jahren 2011 und 2012. "Wir brauchten Beweise, Bilder von den Tötungen, von den gefolterten Körpern in den Leichenschauhäusern, von der ganzen Brutalität des Regimes" lässt sich eine anonyme Aktivistin zitieren. Die Videos zeigen in aller Deutlichkeit die Grausamkeit des Mubarak-Regimes, die Folter, die Verstümmelungen, die Schreie und Schüsse, die Gewalt gegen die Demonstranten. Trotz aller Gewalt wurde das Mubarak-Regime hinweggefegt und erstmals fanden freie Wahlen statt. Im Jahr 2013 fand dann die zweite Revolution statt, die eigentlich eine Reaktion war. Die Armee unter Sisi putschte den gewählten Islamisten-Präsidenten Mursi aus dem Amt und errichtete eine neue Militärdiktatur, die bis heute stand hält. Der Sturm aus das Rabaa-Camp der Muslimbruderschaft mit mehr als 1000 Toten begründete die neue Diktatur und ist für die Oppositionsgruppen in Ägypten bis heute ein traumatischer Einschnitt.



Für alle Interessierten ist das Portal eine spannende, schockierende, schier unendliche Weite an Videomaterial, um die Geschehnisse begreifbar zu machen. Für die Aktivisten selbst ist das Portal eine Möglichkeit, das Grauen zu bewältigen, der Nachwelt als Mahnung zu hinterlassen und eine Hoffnung, dass auch Sisi eines Tages für seine Grausamkeit bestraft wird.