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Corona und die iranische Ölindustrie

Von Tooba Moshiri, Teheran

Der Ausbruch des Corona-Virus hat auf der ganzen Welt für Verwerfungen in der Wirtschaft gesorgt, auch in der petrochemischen Industrie. Iran mit seiner wichtigen Ölindustrie ist besonders hat getroffen. Die Wirtschaft des Landes hängt stark von Öl und petrochemischen Produkten ab und eine Rezession kann verheerende Auswirkungen auf Regierung und Menschen haben. Laut jüngsten Statistiken hat die Anzahl der Infizierten die Marke von 50.000 längst passiert und nach offiziellen Angaben sind mehr als 3200 Menschen an Covid-19 gestorben.Die tägliche Produktion des Iran ist im März im Vergleich zum Februar um 70.000 Barrel gesunken. Shahram Rezaee, ein Mitarbeiter der iranischen nationalen Ölfirma bestätigte vor kurzem, dass der Ölverbrauch im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten um 32 Prozent gesunken ist. Zuvor hatte das iranischen Erdölministerium noch erklärt, dass die Pandemie keine Effekte auf die iranische Ölindustrie haben werden und die Produktion gleich bleiben werde. Eine Aussage, die nur schwer zu glauben ist.


Kernindustrie des Landes und des Staatshaushaltes

Das Budget, das gerade vom Parlament behandelt wird, basiert auf der Annahme, dass die tägliche Ölproduktion nicht unter eine Million Barrel fallen wird – mit einem Mindestpreis von 50 US-Dollar pro Barrel. Derzeit bewegt sich der Preis um die 25 US-Dollar pro Barrel. Unter diesen Umständen müsste der Iran etwa drei Millionen Barrel verkaufen, um die Verluste auszugleichen. Was angesichts der US-Sanktionen mehr als unwahrscheinlich klingt und die Regierung dazu zwingen könnte, sich Geld von der Zentralbank zu leihen oder den nationalen Entwicklungsfond anzuzapfen.Experten erwarten eine schwere Krise für den Iran bis hin zum Bankrott des Landes, sollte sich die Situation nicht verbessern. Nariman Azari, ein Uniprofessor aus Teheran glaubt, dass der Hauptgrund für die schnelle Verbreitung des Corona-Virus im Land die verarmte Gesellschaft des Landes ist.“Die Wirtschaftskrise nach der Corona-Krise in der iranischen Gesellschaft hängt mit der Öl- und petrochemischen Industrie zusammen. Wenn wir nicht genügend Barrel zu einem vernünftigen Preis verkaufen können, wird die Mehrheit der Iraner die Konsequenzen spüren. Vor den Unruhen im November sahen wir Demonstrationen in mehr als 100 Städten – eine Reaktion auf die um das dreifache gestiegenen Benzinpreise über Nacht.


Diese Serie von Ereignissen kann im Iran wieder starten, eine Tatsache, auf die sich die iranische Regierung auf keinen Fall freut”, so Azari.Allein im letzten Monat sank der Preis für Rohöl von der Sorte Brent um 53 Prozent aufgrund eines globalen Nachfragetiefs. Luftverkehr und Straßenverkehr sinken und viele Arbeiten sind derzeit angehalten. Die Bewältigung der Corona-Pandemie und das Stoppen der Infektionen sind nicht das Ende der Krise. Die Wiederbelebung der Industrie und der Geschäftstätigkeiten sowie die Behebung der Schäden durch die Pandemie wird jede Menge Zeit und Energie kosten. Viele Unternehmen werden eine harte Zeit durchleben – oder bankrott gehen. Der Iran versucht seine Ölexporte auf dem Schwarzmarkt zu einem billigeren Preis zu verkaufen, um die US-Sanktionen zu umgehen. Während also das iranische Öl auf dem Markt billiger ist, ist gleichzeitig der Bedarf gesunken.


Die USA haben gerade erst eine Liste von fünf Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auf die Sanktionsliste gesetzt, da sie dem Iran geholfen haben, die Sanktionen zu umgehen.Der Wettstreit von Russland und Saudi-Arabien hält trotz der Pandemie die Preise im Ölmarkt niedrig. Sehr zum Schaden von ärmeren Ländern. Vor allem für afrikanische Ländern wie Algerien und Nigeria oder Länder wie Venezuela, Länder, die ebenfalls sehr von ihrer petrochemischen Industrie abhängig sind. Diese Länder produzieren aktuell weniger als zuvor. Aber Saudi-Arabien, der Irak und die Emirate behalten ihre Quoten bei oder haben sie sogar erhöht, um ihre Anteile im internationalen Markt beizubehalten. Sie versuchen ihre Verluste mit höherer Produktion auszugleichen und versuchen nicht, den Preis wieder zu erhöhen, obwohl dies der Wunsch der anderen Ölproduzenten ist.“Die Situation im Iran ist schlimmer als in den anderen Ländern. Ich denke nicht, dass sich die allgemeine Situation in der Welt bis Ende Mai erholt hat. Wenn dem so kommt, werden wir große Probleme in KMU und Privatunternehmen sehen”, ergänzt Azari.Ahmad Mohammadi, CEO von Manategh Naftkhiz Jonoub, einem großen Ölunternehmen im Süden des Iran, meint, dass die Industrie ihre Fördermenge auf ihrer vorherigen Quote bleiben solle, ohne Kürzungen vom Markt. “Unsere Produktion muss stabil bleiben. Wir werden die Arbeiter freistellen, die Risikogruppen sind, aber der Rest der Arbeiter wird unter Beachtung der notwendigen Aktionen zum Infektionsschutz weiterarbeiten, wir werden non-stop arbeiten und das Budgetdefizit ausgleichen.”


Mohammadi ergänzt: “Unsere Aufgabe ist die Produktion und der Vertrieb von Rohöl, Gas und Flüssiggas. Wir bemühen uns, die Energieversorgung, finanzielle Stärkung des Landes und die Weitergabe der Produkte an Raffinerien und petrochemische Produkte beizubehalten und unsere Mitarbeiter arbeiten Tag und Nacht während jeder unter Quarantäne ist. Schaffung von Energiekapazitäten in unserem Land sind das Ziel. Wir werden versuchen, unsere Produktion noch weiter zu erhöhen oder sie zumindest auf gleichem Niveau selbst im Worst-Case-Szenario zu halten.”


Nur ein paar Tage vor den ersten offiziellen Meldungen zum Corona-Virus sprach der iranische Präsident Rohani zum Volk über eine nationalen Sieg. Er sagt, zum ersten Mal seit der Revolution ist der Iran nicht von Ölprodukten abhängig. Nun mit nur noch wenigen Käufern und ohne Aussicht auf Ende der Sanktionen, scheint es, als sollte der Iran wirklich schnell eine Lösung für die Probleme finden. Steuern sind eine andere Art, um den Staatssäckel zu füllen, sind aber auch schwierig und die iranische Nicht-Öl-Wirtschaft hat auch eine schwere Zeit. Ein Ende der Sanktionen könnten alles ändern. Zahlreiche internationale Akteure haben sich für ein Aussetzen der Sanktionen ausgesprochen. Eine Bitte, die US-Präsident Trump abgelehnt hat.