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Corona und die Auswirkungen auf das Bildungssystem im Iran

Von Tooba Moshiri (TM), Teheran

Mit der Ausbreitung des Corona-Virus im Iran und der ständigen Gefahr einer Infektion, haben Schulen und Universitäten ihre Aktivitäten eingestellt. Bildungseinrichtungen in zahlreichen Städten überbrücken diese Zeit mit virtuellen Schulstunden. Aber die Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen im Land bleiben weiterhin ein Rätsel. Jüngsten Aussagen von Seyed Omid Fatemi, dem Direktor des E-Learning und Kommunikationstechnik Zemtrum der Universtität Teheran, zufolge, wurden alle Universitäten und Schulen auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben, bis die Covid19-Task Force die Wiedereröffnung erlaubt.


Virtual Learning oder E-Learning in Zeiten von Corona. Bild: TM

Virtual Learning hat im Iran keine relevante Geschichte. Die Pandemie hat das Bildungssystem durchgeschüttelt und virtueller Unterricht sind noch immer im Testmodus. Im Juni stehen die wichtigen Examen an und bereits bei den Mid-Term-Examen wurden viele Betrugsversuche registriert, was Sorgen für die Examen im Juni hervorruft. Beliebt war unter anderem die Methode, jemanden anderes in das Exmanen zu schicken und unter dem eigenen Namen schreiben zu lassen.“Wegen des Social Distancing und den Einschränkungen haben wir vielen Universitäten vorgeschlagen, ihre Endprüfungen virtuell abzuhalten. Vor allem in Teilen des Landes, die besonders stark von Infektionen betroffen sind und Warnungen an die Bevölkerung ausgesprochen wurden, haben die Universtitäten beschlossen, ihre Prüfungen online abzuhalten”, sagt Muhammad Aahanchian, Direktor im Planungsbüro der Höheren Bildung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung in einer Pressekonferenz.


Viele Studenten klagen über die Ferne zu Dozenten und Kommilitonen. Bild: TM

In vielen öffentlichen Schulen gibt es viele Probleme mit virtuellen Klassen. In einer Nachricht des Ministeriums an die Öffentlichkeit wurde behauptet, dass alle Klassen online mit einer Android-App namens “Shaad” durchgeführt werden sollen. Eine Idee, die in den Augen vieler Lehrer und Experten schon im Voraus gescheitert ist. Viele Schüler haben kein Smartphone, Tablets oder Computer. Die Preise für gebrauchte Handys haben sich in vielen Städten erhöht und in vielen ländlichen Regionen des Landes sind hohe Internetpreise, Verfügbarkeit und Verbingung ein großes Problem für Lehrer und Schüler.“Das Shaad-Netzwerk kostet viel Geld und hat große Budgets, aber dieser Plan diskriminiert viele und ist nicht für alle im Land verfügbar, insbesondere für Menschen abseits der großen Städte. Viele dieser Probleme waren vorhersehbar, aber man kann nicht ignorieren, dass das Bildungssystem einen großen Schock durch eine globale Krise bekommen hat. Bislang wurde niemals der Unterricht ausgesetzt, nicht mal während der Revolution oder im acht Jahre langen Krieg mit dem Irak. Das Aussetzen ist sehr herausfordernd”, sagt Ansaar Samai, Grundschullehrer in Marand in der östlichen Provinz Aserbaidschan.


In Universitäten wird im Gegensatz zu Grundschulen und weiterführenden Schulen Adobe Connect genutzt. Hardware-Probleme sind selten, aber viele Klassen können nicht ohne Probleme durchgeführt werden.”Es ist gut, dass wir länger und voll mit den Klassen interagieren können, aber Online-Vorlesungen sind nicht komfortabel. Das Internet hat viele Probleme, der Sound kommt und geht, man kann keine Verbindung mit der Klasse aufrechterhalten und viele Studenten trauen sich nicht, eine Frage zu stellen oder warten auf eine Aufforderung durch Dozenten, eine Frage zu stellen”, so Sobhan Ma’refati, Studentin an der Shadid Behesti Universität in Teheran. Mit Adobe Connect haben Lehrer und Studenten die Möglichkeit, ihren Screen zu teilen oder sich mit Webcam, Mikrofon und Vorlesungsmaterial zu beteiligten. Auch Gruppen- und Privatchats sind mit der Software möglich.


“Am Anfang konnten die Uni-Server nicht die Daten verarbeiten und die Software war mit Fehlern behaftet, mit der Zeit jedoch konnten die Probleme gelöst werden. Obwohl viele Studenten noch immer ihre Probleme in den Klassen haben, sehe ich positive Punkte in diesem neuen Weg. Dozenten lassen normalerweise andere nicht sprechen und halten ihre Examen nur auf ihrem eigenen Weg ab. Jetzt werden die Beteiligten gezwungen zu interagieren und andere Wege zur Prüfung ihrer Fähigkeiten zu nutzen. Auf der anderen Seite haben Dozenten wie ich, die normalerweise viel Augenkontakt halten und viel interagieren, große Probleme mit der Situation. Ein weiterer positiver Punkt ist, dass die Klassen nun aufgenommen werden und von den Studenten wieder angesehen werden können”, sagt Azad Pedrampour, Professor für Human Sciences an der Universität von Shiraz.

“Einige Hardware-Probleme bestehen weiter. Manchmal muss jemand eine Formel zeichnen und benötigt ein Whiteboard. Adobe Connect hat diese Funktion, aber die Universitäten haben ihre Dozenten nicht mit passenden Stiften ausgestattet und die Lehrer selbst können sich das nicht leisten. Mit der Zeit und mehr Erfahrung wird virtuelle Bildung nach der Pandemie verbessert werden und im iranischen Bildungssystem wachsen”, sagt Professor Pedrampour. Geplant ist, dass die Vorlesungen für die PhD-Studenten im September wieder eröffnet werden. Workshops und Laborversuche werden aber weiterhin unmöglich bleiben und es wird über Intensivkurse im Sommer nachgedacht.