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Corona: Funktioniert Online-Schooling?

Von Helia A., Iran (HA)

Schulen gehörten zu den ersten Einrichtungen, die nach Ausbruch des Corona-Virus geschlossen wurden. Erst fünf Monate seit Schulbeginn waren vergangen und erst die Hälfte des Stoffs absolviert. Zu Beginn dachten die Menschen, die Unterbrechung des Schulbetriebs wäre nur temporär, da Schulen häufiger beispielsweise wegen Luftverschmutzung geschlossen werden. Aber seitdem sind drei Monate ins Land gezogen und nach Aussagen der Erziehungsministeriums werden die Schulen als letztes geöffnet.

Zudem sind viele Eltern verunsichert und fürchten eine Ansteckung ihrer Kinder, sodass sie ihre Kinder erst wieder zur Schule schicken werden, wenn sie volle Gewissheit haben, dass sie sicher sind.


„Mein Sohn geht auf eine Non-profit-Schule und wir müssen hohe Gebühren zahlen, aber trotz dass sie uns sagen, dass sie die beste Ausrüstung zum Schutz und zur Sauberkeit der Schule haben, werde ich meine Kinder nicht in die Schule schicken“, sagt Parisa, die einen Grundschüler hat.


Wegen der Angst der Eltern und Warnungen von WHO und dem iranischen Gesundheitsministerium vor der starken Verbreitung von Corona, hat das Erziehungsministerium Ideen entwickelt, wie man den Schulbetrieb retten könne. Die erste Maßnahme war Distance-Schooling über Whatsapp und Telegram. Parisa sagt: „Nachdem die Schulen geschlossen wurden, gab es auf der Webseite der Schule meines Sohnes jeden Tag Audio-Lektionen, aber das ist nur für Schulen möglich, die viel Geld verlangen, die Anzahl der Schüler niedrig ist und die eine gute Webseite und Ausstattung haben. Einer Lektion folgend kamen Aufgaben über Whatsapp und Telegram, die bis zu einer gewissen Uhrzeit – in der Regel – 15 Uhr erledigt werden mussten. Der Lehrer antwortete auf die Aufgaben. Weil aber Telegram im Iran oft gefiltert wird, haben viele Familien Probleme mit diesem Weg. Die hohe Anzahl der Schüler und die schlechten technischen Bedingungen haben bei vielen Eltern Verwirrung ausgelöst.“


Alis Tochter geht auf eine öffentliche Schule: „Am Anfang waren die Kurse auf dem Bildungskanal des TV-Programms zu sehen, aber nach einer Weile hat das Erziehungsministerium eine App namens Shad entwickelt – eine Software mit der weder Eltern noch Lehrer vertraut waren. Anfangs waren viele Eltern zuhause und konnten sich mit der App beschäftigen, was gut war. Jede Lektion wurde von einem Lehrer aufgezeichnet und die Schüler mussten dies ansehen. Jede Schule hatte auch ihren eigenen Kanel in der App, wo die Schüler ihre Aufgaben hochladen mussten. Aber die Art und Weise, wie mit der App der Unterricht gestaltet werden sollte, die Fragen und Antworten, verwirrten die Kinder, Eltern und sogar die Lehrer. Einige hatten sogar nach eineinhalb Monaten noch Probleme.“

Für Parisa liegt das Problem woanders: „Der Lehrer unterrichtet, aber mein Sohn spielt mit Legos, malt, spielt mit Teig, macht alles andere außer zuzuhören. Das wurde zu einem richtigen Problem für mich. Als eine Mutter, die über Telearbeit ihrer Beschäftigung nachgehen muss, muss auch ich meine Arbeit erledigen. Daher streite ich mich mit meinem Sohn und erkläre ihm, dass zurzeit diese Form der Schule wie richtige Schule ist und er zuhören muss. Aber am Ende muss ich meine Arbeit erledigen, dann ihn unterrichten, was bedeutet, meine Aufgaben vervielfachen sich. Am Ende mussten die Schüler einen Test machen, der in einem Skype Raum angesetzt wurde. Die Schüler mussten alleine in einem Raum sein, damit der Lehrer sie sehen und bewerten kann. Daher wurde unsere Arbeit sehr sehr schwer in diesen Corona Zeiten.“


Das wahrscheinlich größte Problem ist aber die fehlende Infrastruktur. Der Aufbau einer Webseite für Distance-Learning hat für viele Menschen Probleme verursacht, aber für viele Schüler rauch Fortschritte gebracht. Dennoch zeigte sich, dass besonders für unterprivilegierte und bedürftige Schüler mehr für den Ausbau der Infrastruktur hätte unternommen werden müssen, um ein bessere Ergebnis zu erzielen. Diese Mängel hielten Schüler ohne Smartphone vom Lernen ab.


Daher wurde eine Kampagne „Lasst uns eine Online-Schule bauen“ ins Leben gerufen. Die Kampagne sammelte von den Menschen Second-Hand-Geräte wie Smartphones, Tablets und Computer ein und spendete diese an bedürftige Menschen.


„Über Nacht beschloss die Schule, Smartphones für den Unterricht zu nutzen“, sagt Zakieh, die Mutter einer afghanischen Familie in einem der südlichen Bezirke Teherans. „Seit die Schulen geschlossen wurde, begannen die Probleme mit meinen vier Kindern. Ich bin Analphabetin, mein Mann arbeitlos und meine beiden ältesten Söhne, die Schüler sind, arbeiteten in einem Restaurant vor dem Ausbruch der Epidemie, verloren dann aber die Arbeit. Keiner von ihnen hat ein Smartphone, wir haben nur zwei alte Handys, die wir nutzen können. Als die Schulen schlossen, wollte ich ein Smartphone kaufen, aber als ich den Preis sah, konnte ich die Handys doch nicht kaufen, da wir uns das nicht leisten können. Jeder meiner Bekannten ist in der gleichen Lage. Ich würde mir wünschen, dass der Unterricht über TV weitergehen würde, da wir zumindest einen kleinen Fernseher haben. Oder der Staat sollte die Bedingungen so machen, dass wenigstens ein Tablet in jeder Familie vorhanden ist, dass die Programme installiert hat und unsere Kinder für den Unterricht nutzen könnten. Wir würden uns sogar mit mehreren Familien zusammentun, um ein Tablet oder Handy mit den Programmen für alle zu kaunfen. Ohne die Hilfe der Spender würden wir noch heute ohne passendes Gerät dastehen und wir wüssten nicht, wie lange unsere Kinder ohne Unterricht sein würden, da nicht klar ist, wann die Schulen wieder zu den normalen Bedingungen zurückkehren.“