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Corona: Ein Gesundheits-, Politik und Kulturproblem

Von Helia A., Iran

Der Corona-Virus, auch Covid-19 genannt, verbreitet sich immer weiter und hat schon viele Menschen weltweit inifziert. In den ersten sechs Wochen nach den ersten Meldungen über den Ausbruch eines bisher unbekannten Corona-Virus in der chinesischen Stadt Wuhan, konnte der Ausbruch auf China begrenzt werden. Aber in den folgenden drei Wochen folgten Ausbrüche außerhalb Chinas, vor allem in Südkorea, Italien und dem Iran. Die WHO erklärte, auf den Ausbruch einer Pandemie vorbereitet zu sein und Behörden in der ganzen Welt warnten vor einer starken Schädigung des Lebens normaler Menschen. Internationale Gesundheitsexperten glauben, dass die Mortalitätsrate im Iran im Hinblick auf die Erfahrungen in China vergleichsweise hoch ist.

Kultur im Zeichen des Virus

Doch der Corona-Virus ist nicht nur ein Gesundheitsvirus, sondern hat auch politische Dimensionen im Iran.

Zuallererst verschlechterten die Sanktionen die Gesundheitsleistungen des Landes und bringen Menschen im Land in Gefahr, da der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, Medikamenten und Pflege in Gefahr gerät.


Zweitens wurde erwartet, dass ein Ausbruch früher gemeldet wird, aber die Behörden unterließen dies im Angesicht der wichtigen Parlamentswahlen. Ein Tag vor den Wahlen informierte die Regierung die Medien und die Öffentlichkeit über den Ausbruch – zu diesem Zeitpunkt war es jedoch bereits zu spät und viele Menschen bereits infiziert.

Drittens halten die Regierung und das Gesundheitsministerium Zahlen über die Tote und den Umfang des Ausbruchs zurück. Wie immer werden Berichte über den Virus zensiert, obwohl Menschenleben in Gefahr sind. Wegen der Zensur und dem Misstrauen der Menschen gegenüber offiziellen Medien, verbreiten sich Falschinformationen und Gerüchte im Land, werden in sozialen Medien weitererzählt und verstärken die Angst in der Gesellschaft. Die hohe Zahl der Toten und Infizierten in Verbindung mit der Angst in der Bevölkerung erzeugen eine ernsthafte Krise im Land.


Die Situation ist angespannt. Trotz der Kritik an der Regierung, warum die Stadt Ghom, in der der Ausbruch begann, nicht isoliert wurde, versucht diese, mit Plänen und Vorbereitungen den Ausbruch zu begrenzen. In Ghom südlich von Teheran wurden die ersten Infizierten und Toten gemeldet. In Ghom liegen viele wichtige religiöse Stätten, durch die Pilger und Wanderarbeiter wurde der Virus verbreitet.


Die Regierung schloss landesweit die Schulen und Universitäten in der ersten Woche nach Meldung des Ausbruchs, in der zweiten Woche warnten Offizielle vor einer “schwierigen Woche” im Kampf gegen den Virus und schlossen weitere Schulen. Schüler sollen nun dem Unterricht über Online Kurse via Telegram von zuhause aus folgen.

Freitagsgebete in den Hauptstädten von 23 von 31 Provinzen wurden abgesagt, inklusive in Teheran und in den der Schia heiligen Städten Ghom und Mashad, während die Infektionszahlen weiter stark stiegen.


Seit Meldungen über die ersten Infektionen wurden Theater, Kinos und Konzerte ausgestattet, während Konferenzen und Events abgesagt wurden. Obwohl Museen bislang nicht geschlossen wurden, starteten User in den sozialen Medien unter dem Hashtag #we_do_not_go_to_the_museum eine Kampagne, damit die Menschen zuhause bleiben. Die Schließung der Kulturveranstaltungen war einerseits wichtig, andererseits ein schwerer Schlag gegen die Kultur.


Die Schließung der Theater hat große Auswirkungen auf die Theatergruppen und die Theaterbetreiber im Land. Theatergruppen haben monatelang geprobt, um in ihren Shows aufzutreten, können aber gegenwärtig keine Karten verkaufen. Für unabhängige Gruppen ist die Lage besonders schlimm, da sie keine Förderung durch den Staat erhalten.

Shahram Karami, Direktor eines Kulturzentrums erklärte, auf Anordnung des Ministeriums für Kultur und islamische Führung wurden alle künstlerischen Tätigkeiten, inklusive Kinos, Theater und Musik, ebenso wie Festivals abgesagt oder verschoben. Man versucht, die betroffenen Künstler zu unterstützen und die finanziellen Schäden zu begrenzen.


Die Theatergruppen wiederum sind mit der Entscheidung, die Theater zu schließen einverstanden, aber sie sagen auch, dass ihre Lage nicht unsicher sein sollte: “Bis jetzt haben wir schon enorme finanzielle Verluste eingefahren, sodass definitiv ein Termin genannt werden sollte, wann die Aufführungen gestoppt und im nächsten Jahr wieder aufgenommen werden.” Sie ergänzen: “Wir hoffen, dass wir bald klare Anweisungen erhalten, damit wir wissen, was wir tun sollen. Diese Unsicherheiten belasten die Gruppen sehr.”


Viele Probleme haben auch die privaten Theaterbetreiber. Sie beschreiben die Situation: “In diesem Jahr gab es bereits einige Feiertage. Der Internet-Shutdown im November 2019 war die größte Unterbrechung der Internetversorgung jemals, um die Proteste niederzuschlagen. Während das Internet unterbrochen war, konnten wir die Zuschauer nicht über unser Programm informieren und wir hatten kein Publikum in jenen Tagen. Jetzt müssen wir wieder wegen des Corona-Virus unser Programm absagen und wissen nicht wie lang. Wir müssen Mieten zahlen, Angestelltengehälter, laufende Kosten wie Wasser, Strom und Gas während wir keinerlei Einkommen haben. Es ist möglich, dass einige Bühnen wegen der großen finanziellen Verluste schließen müssen.”