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Boomende Selbständigkeit der jungen Generation im Irak

Von Sinan Salaheddin Mahmoud (Bagdad, Irak)


Baghdad, Irak: Das alte Erbe der Palmen sorgt für neue Geschäftsideen im Irak

Im Jahr 2017 präsentiert Fatih zusammen mit seinen Geschäftspartnern eine Projektidee für die Nutzung von vernachlässigten Palmen auf einer Messe für Unternehmer. „Den Banken und Investoren gefiel die Idee“ sagte Fatih (31). Eine staatliche Bank gab ihm sofort ein zinsfreies Darlehen in Höhe von 40,000 Dollar.


15 Millionen Palmen gibt es im Irak, einige Hundert werden bereits verwaltet. Bild: Sinan Salaheddin Mahmoud

Heute ist aus der Idee das Unternehmen „Nakhla -Die Arabische Welt für Palmen-“ geworden, welche Teil von Iraks aufstrebender Unternehmerkultur ist. Mit dieser neuen Kultur der Eigenverantwortung steigt die Hoffnung auf einen Wandel in der Bevölkerung, die eine Stelle im öffentlichen Dienst als einzigen Ort für einen gesicherten Arbeitsplatz sieht. Von sprudelnden Ölgeldern überflutet, hat die irakische Regierung versagt, den Privatsektor zu fördern. Jedoch hat die aktuelle Entwicklung des Ölpreises die irakische Regierung dazu gezwungen, einen Einstellungsstopp zu veranlassen.

Um Palmenbesitzer von ihrer Idee zu überzeugen, startete die Firma eine Werbekampagne, die auf der Idee basierte ein, kulturelles und historisches Symbol des Iraks zu bewahren. Statistiken zeigen, das von den ursprünglich 30 Millionen Palmen im Jahr 1960 gerade mal die 15 Millionen erhalten geblieben sind. In der Werbekampagne setze das Unternehmen vor allem auf emotional berührende handgeschriebene Briefe.

Fatih erinnert sich : „Die Leute waren begeistert von der Idee und meldeten sich bei uns“ .

Wenige Tage nach dem Start ihres Unternehmens sicherte sich die Firma Verträge für 20 Palmen, heute sind es um die 140. Nächstes Jahr erwartet die Firma einen Auftrag von Zentralbank Iraks, sich um mehr als 2000 Palmen zu kümmern.


Hoffnungsvoller Blick auf alte Lebensspender: „Nakhla -Die Arabische Welt für Palmen-“. Bild: Sinan Salaheddin Mahmoud

Als Gegenleistung für ihre Dienstleistungen verpflichten sich die Besitzer zu einer jährlichen Zahlung von 50 bis 80 Dollar, außerdem beteiligen sie das Unternehmen an den geernteten Früchten. Sogar Restmaterial wie Palmen blätter oder Splitter werden weiterverwendet, vor allem im handwerklichen Gewerbe.

Nach Aussage der Weltbank lag die Arbeitslosenquote im Irak in Jahren 2017 und 2018 um die 9,9 Prozent. Fast 17 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung ist unterbeschäftigt. Auch im allgemeinen hat Irak im Vergleich zu seinen benachbarten Staaten die niedrigste Erwerbstätigkeit, welche bei 48,7 Prozent liegt. In einem Versuch diesem Trend entgegenzuwirken und Arbeitsplätze zu schaffen hat die irakische Regierung 2016 eine Initiative gestartet, welche Darlehen für verschiedene Projekte zur Verfügung stellt. Daten von der Initiative zeigen das Darlehen in Höhe von 29,1 Millionen Dollar für 2018 ausgezahlt wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 betrug die Höhe der ausgezahlten Darlehen gerade mal 13,3 Millionen Dollar.

Der Erfolg irakischer Unternehmer im Ausland Ali Saadi entwickelte eine App, mit der es möglich ist, medizinische Termine zu buchen und zu verwalten. Als ehemaliger Zahnarzt nutzte Saadi seine Kontakte um Ärzte von seinem Produkt zu überzeugen. „Am Anfang war es keine einfache Aufgabe, Patienten sowie Doktoren zu überzeugen, die App zu benutzen“, sagte Saadi. Einer der Gründe dafür waren die Abonnementgebühren - viele Patienten nutzten die in der App enthaltenen Kontaktinformationen um telefonisch einen Termin auszumachen. Heute benutzen mehr als 6500 User die Bagdad App. Und pro Tag werden bis zu 10 Termine ausgemacht, Die App kostet eine Abonnementgebühr von jährlich 12,50 Dollar und 20 Prozent der Arztgebühren.