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Balutschistan: Probleme und Chancen

Von Tooba Moshiri, Iran (TM)

Wassermangel, Dürren und die Migration von Dorfbewohnern an die Ränder der Städte bedrohen in vielen Provinzen des Iran die Stabilität und auch die Region Sistan wa Belutschistan ist keine Ausnahme. Besonders schwierig erweisen sich die Hindernisse, die die Regierung der Region beim Bau von Entsalzungsanlagen der Provinz aufbaut – im Gegensatz zur Politik der Regierung in anderen Provinzen, wo der Bau gefördert wird. Daneben kommen zusätzlich der Bau von Staudämmen und das Zurückhaltung von Wasser, das eigentlich für Trinkwasser und die Landwirtschaft genutzt werden sollte.


Das führt zu stetig steigenden Trinkwasserproblemen, die durch die Privatisierung von Wasserlieferungen in einer der ärmsten Provinzen noch verstärkt werden. Auch die Feuer in Plantagen, Farmen und Feuchgebieten in Balutschistan unterminieren die Bemühungen die Regierungspolitik hinsichtlich Wasser und Dürremanagement und führen zu starker Kritik an der Politik der Provinz.


Wassermangel ist ein großes Problem in der Provinz. Bild: TM

Abdul Basit Pakzad, Direktor der Verwaltung für natürliche Ressourcen und das Wassermanagement in Sistan wa Belutschistan sieht in der Dürre und dem verminderten Regenfall die größten Probleme für die Provinz. Der durchschnittliche Regenfall liegt global bei rund 700 mm, im Iran bei 250 mm und in der Provinz Sistan wa Belutschistan bei nur 110 mm. In einigen Teilen der Provinz wurden nicht einmal 10 mm in den letzten beiden Jahrzehnten gefallen, besonders der Norden und der Süden sind davon betroffen.

Masoud Rigi, der Vize-Direktor der Verwaltung für natürliche Ressourcen und das Wassermanagement in Sistan wa Belutschistan sagt, dass die Forstverwaltung als Teil der Organisationsverwaltung einen wichtigen Anteil am Schutz der natürliche Ressourcen des Landes, ihres Wiederaufbaus, ihrer Entwicklung und Ausbeutung.


Die Region ist die größte Provinz des Iran hinsichtlich Desertifikation und liegt in einer ariden und semi-ariden Zone mit einem durchschnittlichen Regelfall von nur 100 mm, was der Region zahlreiche Probleme beschert. Auf der anderen Seite bieten die Gebirgszüge des Taftan Gebirges, Strände und Wüsten eine spannende Diversität in der Provinz.


Rigi ergänzt, dass von der Gesamtfläche der Provinz von mehr als 18 Mio. Hektar rund 10,5 Mio. Hektar Weideland sind, 5,5 Mio. Hektar Wüste und auf weiteren 1,2 Mio. Hektar wächst Wald. Eines der Probleme ist an der Gesamtfläche der Wüstenflächen erkennbar – rund 30 Prozent der Provinz sind Wüste und diese Flächen sind von Nord bis Süde verteilt. In den vergangenen Jahren haben sich die klimatischen Bedingungen und der Regenfall verändert, kritische Regionen haben sich verschelchtert und viele Regionen werden immer mehr zur Wüste. 1,2 Prozent der Wüstenfläche sind derzeit im Fokus. Diese sind auf 28 Punkte der Provinz verteilt, von Zahedan bis Chabahar.


Die sunnitischen Balutschen gelten als rückständig. Bild: TM

Die Provinz Sistan wa Baluchistan besitzt große Reserven von Kupfer, Chrom, Mangan, Blei, Zink, Zinn, Wolfram und weiteren nicht-metallischen Ressourcen. Die Provinz ist einzigartig im Bereich der Minen. Die totalen Kupferreserven erreichen eine Menge von 18 Mio. Tonnen, das entspricht etwa der Jahresförderung der gesamten Welt.

Davood Shahraki, Chef der Industrie und Mining Organisation der Provinz sagt, dass der Abbau der strategisch wichtigen Ressource Kupfer einen Großteil der Umweltprobleme der Provinz verursacht.


“Der Mining Sektor kann der entscheidende Treiber in der Entwicklung der Wirtschaft des Landes sein. Die Transformation des Sektors wird andere Industriesektoren der Provinz aktivieren.” Shahraki glaubt, dass mit klugen Investitionen in die Industrie der Provinz und Wirtschaftsförderung die Provinz eine gute Zukunft erwarten könne.


Ein weiterer Sektor, der positiv auf die Wirtschaft der Region wirken könnte, ist der Tourismus. Wegen seiner Grenzlage passieren viele Menschen bei einer Einreise aus den östlichen Nachbarländern die Stadt Zahedan als erste Stadt im Iran. Mit offeneren Grenzen und mehr Touristen könnten mehr finanzielle Mittel in die Kassen der Provinz und der Stadt gespült werden.


Bahar Khaki hat das erste Hostel der Stadt, das eine Lizenz von den Behörden von Balutschistan erhalten hat und sagt, dass der Tourismus bis zur Corona-Krise sich gut entwickelt hatte. Sie sieht noch mehr Potenzial in der Provinz und erwartet ein Wachstum des Tourismus in Balutschistan mithilfe der Behörden: “Waffen, Drogenhandel, Bomben am Straßenrand, Straßensperrungen und Belästigungen von Fremden sind die ersten Dinge, die in den Köpfen von Fremden sind, wenn sie von Balutschistan hören. Was so nicht stimmt und die Menschen sollten sich nicht ausgegrenzt fühlen. Mit einer nationalen Werbekampagne könnten diese Vorurteile geändert werden und die Wirtschaft der Provinz gefördert werden. Aber die Behörden scheinen sich an der Unsicherheit hier nicht zu stören und dies wird einen großen Einfluss auf die Zukunft des Tourismus in der Region haben.”


Armut trifft viele Menschen der Provinz. Bild: TM

In den Medien und im Internet sind die Bilder und Nachrichten aus der Region meist von Übertreibung und Verfälschung gekennzeichnet zu sein. Rumi Abdul Hamid, der Freitagsimam von Zahedan sagt: “Wenn hier eine Kugel abgefeuert wird, wird es als Abschuss einer Rakete dargestellt. Woanders haben die Kugeln kein Geräusch, aber hier wird es soweit übertrieben, bis es jeder gehört hat.” Viele Menschen in Balutschistan glauben, dass die Medien eine wichtige Rolle bei den Vorurteilen und den schlechten Bildern bei den Menschen spielen.


Die Kosten für eine Reise in die Provinz sind sehr gering, abgesehen von der Distanz und dies kann viele Faktoren haben. Das Fehlen einer Verkehrsinfrastruktur, die Lage hinter der Ebene und der Lut Wüste, das Fehlen einer vernünftigen Tourismusinfrastruktur, die Unterentwicklung bei Industrie und Bergbau in der Provinz haben die Provinz aus dem Interesse der Nachbarprovinzen geschoben und aus den Augen des iranischen Volks, das überwiegend in der Mitte des Landes lebt gezogen. Auch das schlechte Image der Provinz und der Ruf als Unruheprovinz haben die Begeisterung für die Provinz als Ziel inländischer Touristen stark in Mitleidenschaft gezogen.


Vielleicht ist das Ende des schlechten Ruf von Balutschistan bei anderne Volksstämmen und der Mitte des Iran eine der Hauptforderungen der Balutschen. Die Balutschen verstehen sich als Ethnie, die immer an der Seite des Iran stand, auch in schwierigen Zeiten. Die starke Präsenz in der iranischen Geschichte sollte doch mehr als ein Grund sein, mehr Liebe von der Regierung und der iranischen Nation zu bekommen, so die Meinung der jungen Balutschen, damit diese stolz auf ihre Herkunft sein können. Vielleicht könnte das Ende der alten Vorurteile die althergebrachten Diskriminierungen gegenüber dieser Region beenden.