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Balutschistan: An den Grenzen des Iran

Von Tooba Moshiri, Iran (TM)

Die iranische Provinz Balutschistan liegt im Südwesten des Landes und ist Teil der Verwaltungsprovinz Sistan wa Belutschistan. Die Region liegt an den Grenzen zu Afghanistan und Pakistan und ist die zweitgrößte Provinz des Landes. Im Süden liegt der Hafen Chabahar, der die wahrscheinlich prosperierenste Stadt der Region beherbergt.


Armut prägt die Provinz. Bild: TM
Armut prägt die Provinz. Bild: TM

Die meisten Einwohner von Belutschistan sind Sunniten und liegen daher häufig in Konflikt mit der Regierung und der zentralisierten Staatsgewalt des mehrheitlich schiitisch geprägten Iran. Wegen der – nicht nur räumlich – großen Entfernung von der Hauptstadtregion fühlen sich viele Balutschen vernachlässigt und sind unzufrieden mit den Handlungen der Regierung in der Region. Die Provinz hat nach Meinung von Omid viele Probleme aus der Grenze. Omid Piri ist ein Student der Literatur in Teheran und ist vor kurzem in die Hauptstadt gezogen. Er wurde jedoch geboren in Zahedan in Balutschistan und hat sich schon immer wegen seiner Herkunft diskriminiert gefühlt: “Im Vergleich zur heutigen Welt ist Balutschistan wie der Mittlere Osten im Vergleich zu Europa: Wir haben schlechtere Wohlfahrt, Bildung und Tourismus. Im Vergleich zu anderen Städten erhält Balutschistan nicht die geringste Unterstützung durch den Staat.”


Akbar, Omids Vater, betreibt einen kleinen Laden auf dem Basar von Zahedan und verkauft importierte Güter aus Pakistan. Pakistanische Waren sind sehr zahlreich in der Region vertreten und die Menschen nutzen diese. Jedoch sind große Teile der Waren illegal in den Iran geschmuggelt und ihr Verkauf und Kauf ist gegen die Gesetze des Landes. Da aber viele Menschen vom Schmuggel aus dem Nachbarland abhängig und Jobs rar sind, unternehmen die Behörden des Landes nur wenig.


Vernachlässigung sorgt für Spannungen in der Region. Bild: TM
Vernachlässigung sorgt für Spannungen in der Region. Bild: TM

“Obwohl viel über legale Märkte an der Grenze gesprochen wird, sind die Märkte nicht aktiv. Der Grund ist nicht klar. Es wurde sich seitens des Behörden gegen die Aktivierung dieser Märkte ausgesprochen, aber afghanische und pakistanische Delegationen haben eerklärt, dass sie im Bereich der Märkte kooperieren wollen, um die Märkte zu Laufen zu bringen. Ich bin verwundert, warum manche Behörden sich so dagegen aussprechen.”

Die Erwartungen der Bevölkerung von Belutchistan für eine bessere Zukunft sind breit gefächert. Viele Vororte, Städte und Dörfer, weit weg von Zahedan, welches die Hauptstadt der Provinz ist, mangelt es an gundliegenden Dingen wie Wasser, Gas oder Elektrizität. Sie sind durch die Wüste und die schlechten Straßen schwer zu erreichen. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist schlecht und viele Kinder gehen nicht in die Schule. Viele Menschen haben nicht einmal eine Geburtsurkunde oder einen Ausweis.

Meysam Sargazi ist Lehrerin in einer ländlichen Schule in der Dashtiari Region Belutschistans. Er, Bewohner der Stadt Rusk, kennt the Entwicklung der Region und die Absichten der Behörden was womögliche Besserungen betrifft.


“Ein hungriger Magen kennt keine Religion oder Glauben. Viele der Menschen wurden geboren um in the landwirtschaftlichen Strukturen der Kapitalisten zu arbeiten. Diese nutzen die landwirtschafltichen Produkte oder das Vieh ihrer Angestellten um Geld zu verdienen. Das sind vorallem Menschen die keinen Ausweis oder genügend Geld haben um einzuwandern. Viele dieser Menschen lehnen es ab ihre Kinder zur Schule zu schicken und zwingen sie noch vor ihrem zehnten Lebensjahr zur Arbeit zu gehen. Dieser Mangel an Bildung, geschuldet durch die Regierung, muss auch durch die Führung dieses Landes beseitigt werden. Haben die Menschen keinen Zugang um ihre Grundbedürfnissen zu stillen, wie sollte eine besser Zukunft für die Region vorstellbar sein?”


“Ein hungriger Magen kennt keine Religion oder Glauben.". Bild: TM
“Ein hungriger Magen kennt keine Religion oder Glauben.". Bild: TM

Mehrdad Rigi, ein 33 Jahre alter Ingenieur studierte während der Präsidentschaft von Ahmadinejad in Teheran und ist vor rein paar Jahren nach Hause zurückgekehrt und möchte sein Wissen und seine Erfahrung mit den Mitbürgern teilen. Mehrdad glaubt, dass der Mangel an Bildung in der Jugend Balutschistans eine erschütternde Diskriminierung gegen seinen Volksstamm ist und die Schwächen der Provinz wegen der Versetzung inkompetenter Beamter an wichtige Stellen in der Provinz liegen.


“Leider sind alle Schlüsselstellen in der Provinz seit rund 40 Jahren von Nicht-Balutschen besetzt, die nach Balutschistan kommen, nur rum Erfahrung und Geld zu erreichen, aber keinerlei Anstrengungen für die Schwierigkeiten der Provinz zeigen, kein Mitgefühl oder Verantwortung. Die meisten der Beamten kennen nicht die Schmerzen, die Entbehrungen und den Mangel an Einrichtungen in der Provinz und gehen nach ein paar Jahren zurück, mit der Ehre in den Grenzregionen gearbeitet zu haben, um danach bessere Position in Teheran oder anderen Städten zu bekommen.”


Viele Balutschen sehen in Ergänzung zur Landgrenze auch die Wassergrenzen. Der Hafen Chabahar ist das Herz dieser Provinz und spielt eine sehr wichtige Rolle für das gesamte Land, da dort Potenziale für eine wirtschaftliche Entwicklung bestehen – und damit für den Aufbau von Jobs. Chabahar ist auch das Sicherheitsventil für iranische Waren. Nach Angaben von Experten ist Chabahar der beste, wirtschaftlichste und sicherste Korridor für den Weg zu den Märkten mit rund drei Milliarden Menschen. Die Infrastruktur ist bereit, den Handel mit den Ländern am Indischen Ozean mit urund zwei Milliarden Menschen, dem Kaukasus bis hin zu Osteuropa mit rund 800 Millionen Menschen aufzunehmen. Chabahar hat wegen seiner strategischen Lage eine Menge Aufmerksamkeit erzeugt. Aktuell wird versucht, die Infrastruktur der Freihandelszone Chabahar zu verbessern und die Transportwege zu entwickeln und mehr inländische und ausländische Investoren anzulocken.