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Bagdads Rettung, Bagdads Fluch

Als die brutalen Kämpfer des IS Mossul überrannt hatten und nur noch einige Dutzend Kilometer vor der irakischen Hauptstadt Bagdad standen, rief der aus einer berühmten Gelehrtenfamilie stammende und hoch angesehene Großayatollah al-Sistani im Jahr 2014 die (schiitische) Bevölkerungsmehrheit im Irak zu den Waffen. Zehntausende Freiwillige, zumeist kampferprobt im langen Bürgerkrieg nach dem Sturz Saddams, und die Mitglieder von bereits bestehenden Milizengruppen wie der von al-Sadr bildeten in kurzer Zeit eine Armee, die sich dem IS entgegenstellte und ihn nach jahrelangen Kämpfen im Irak besiegen konnte. Die Volksmobilmachung – wie der Name der Milizen lautetet – kamen Bagdad zu Hilfe und retteten das Land vor den immer schneller vorrückenden IS-Schergen.


Feiernde PMF-Milizen in der Provinz Saladin

Doch nach dem Fall der letzten IS-Burgen begann der zweite Kampf der Volksmobilmachung. Diese hatten keineswegs vor, ihre Macht wieder abzugeben – zumal auch der Iran den Wert von schiitischen Milizen im Nachbarland erkannte. Schnell wurde klar, dass die Milizen ein neuer Spieler im Machtgefüge des Irak waren, die zu einem großen Teil vom Iran gefördert oder sogar kontrolliert waren. Zwar betonten die meisten Milizionäre ihre Unabhängigkeit, gleichzeitig wollten sie ihre großen Unterstützer in Teheran nicht vors Bein treten.

Doch die Kontrolle durch den Iran war nicht die einzige Enttäuschung für die irakischen Bürger, die ihre „Helden“ so begeistert gefeiert hatten. Viele Milizionäre begannen mit dem üblichen Geschäft von Bewaffneten im Nahen Osten: Entführungen, Morde, organisierte Kriminalität und Auftragskriminalität.


Für das irakische Volk oder doch eher iranische Interessen?

Weit weg vom idealistischen Bild der freiheitsliebenden Kämpfer gegen die IS-Barbaren stehen nun im Irak zehntausende Bewaffnete, deren Loyalität und Gesetzestreue mehr als angezweifelt werden muss. Die irakische Regierung von al-Mahdi steht somit vor der schier unmöglichen Aufgabe, diese Milizen wieder in das irakische Zivilleben zurückzuführen – eine Aufgabe, die besonders vor dem aktuellen Konflikt zwischen den USA und Iran an Schärfe gewinnt, sieht doch der Iran in der Volksmobilmachung eine sehr schöne Möglichkeit, die USA im Notfall anzugreifen und möchte die Volksmobilmachung daher keineswegs aufgeben.