• Redaktion

Bagdad: Das Leben kehrt zurück

Die Grausamkeit der IS beschränkte sich bekanntlich nicht nur auf Gräueltaten gegenüber sogenannten „Ungläubigen“ - auch das kulturelle Leben wurde vernichtet. Und das nicht nur in den Gebieten, die unter der IS-Herrschaft standen (wie etwa Mosul), auch die Gesellschaft in Bagdad wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.



Umso erfreulich klingen die Nachrichten, die seit einigen Monaten aus dem Irak kommen – und wie üblich leider keinen Widerhall in westlichen Medien finden: So eröffnete beispielsweise das erste Frauen-Cafe seine Pforten. In „La Femme“ wie das Cafe standesgemäß französisch von der Besitzerin Adra Abdel-Abid genannt wurde, haben die Frauen einen sicheren Hafen für Gespräche, Diskussionen, aber auch einfach für Ausruhen und Kaffetrinken gefunden. Zwar trifft sich wie zu erwarten eher die Mittel- und Oberschicht, aber das Cafe findet großen Anklang. „Die Leute hatten Angst. Jetzt gibt es mehr Offenheit", erklärt Abdel-Abid. Bei ihr aber können auch Frauen ohne Männer in Ruhe Kaffee trinken, ohne dass Männer anwesend sind – für die konservativen Männer des Iraks ein wichtiger Punkt.


Auch insgesamt hat sich das Straßenbild gewandelt, melden Beobachter. Ohne die Angst vor den IS-Terroristen, die zwar nicht die Macht in Bagdad erringen konnten, aber durch Terror auf den Straßen für Angst und Schrecken sorgten, kleiden sich die Frauen wieder bunter und manche tragen sogar gar kein Kopftuch mehr, so auch die Töchter der Cafe-Besitzerin. Eine wichtige Rolle spielen bei der Befreiung der Frau die Sozialen Medien. Sie erzählen Geschichten von Freiheit und zeigen, dass es auch andere Meinungen und Sichtweisen außer der Meinung der Männer gibt. Sie vernetzen die Frauen und Sozialaktivisten und ermöglichen so den Aufbruch der Frau im konservativen Irak. Vertreter von Zivilorganisationen berichten auch, dass Mischehen unter verschiedenen Konfessionen und Gruppierungen wieder zunehmen. Nach den bleiernen Jahren der IS-Bedrohung trauen sich die Menschen wieder, über angebliche Grenzen hinweg zu lieben und zu heiraten.